OLDENBURG - In einen besonderen Genuss kamen Schülerinnen und Schüler des Alten Gymnasiums am Dienstagmorgen. Für ein Gespräch zur Verfügung gestellt hatte sich Prof. Dr. Robert Pippin, einer der renommiertesten Philosophieprofessoren der USA, auf Vermittlung des Oldenburger Wissenschaftlers Prof. Dr. Reinhard Schulz.
Pippin erörterte (in perfektem Deutsch) mit den Philosophie-Schülern Bedeutung und Gewicht der menschlichen Freiheit, stellte sich aber auch allen anderen Fragen. Etwa der, ob er als Philosoph glücklich sei. Einerseits fühle er sich wie im Himmel, wenn er an die großartigen Bedingungen an der University of Chicago, eine der wenigen privaten Forschungsuniversitäten der USA, denke, sagte Pippin. Andererseits leide er unter den extrem tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten und dem rüden Umgang in der wissenschaftlichen Philosophie-Diskussion in den USA, die spätestens nach Kant eigentlich keinen deutschen Philosophen mehr gelten lasse. Pippin: Sie sagen, ich verbringe meine Zeit mit einem Idioten wie Hegel, insofern sei ich gar kein Philosoph, sondern verrückt.
Ihm gehe es eben um eine zeitgebundene Form der Philosophie, die lebendig ist, die einen Kontakt dazu hat, wie wir wirklich leben, nicht nur um das Formale, Idealisierte.
Als Hilfsmittel bediene er sich etwa der modernen Kunst: Ihre Interpretation könne etwas darüber zeigen, wer wir sind. Genauso könne die Interpretation zeitgenössischer Filme oder die Frage nach den ernstzunehmendsten Künstlern, Dichtern, Bildhauern als Form der Selbsterkenntnis genutzt werden. Im Bereich der wichtigsten Filme zählten für ihn die Werke der Belgier Jean-Pierre und Luc Dardenne (wie Rosetta) dazu. Pippin: Es geht um die Frage, wie wir leben und wie wir leben sollen. Dabei sei es möglich, absolut zufrieden zu sein, aus Sicht der Philosophie aber ein falsches, unfreies Leben zu führen, weil ich gar nicht weiß, warum ich lebe.
Pippin äußerte auch eine gewisse Skepsis gegenüber der massiven Nutzung der Neuen Medien: Alles gleichzeitig: Computer, Facebook-Pflege, Fernsehen, Musik hören, telefonieren und dabei noch essen. Von außen betrachtet sieht das für mich aus wie eine Bedrohung für ernste Unterhaltung mit anderen, fürs Denken, Lesen. Es ist so schnell, so kurzatmig.
