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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Die Kälte wird ordentlich gerastert

13.04.2019

Oldenburg Die Lithografie aus der späten Schaffenszeit des Künstlers und Grafikers Kurt Kranz zeigt ein nahezu symmetrisches geometrisches Muster in Petrol- und Rottönen. Im Bildmittelpunkt steht ein sich auflösendes weißes Raster, das das Format in vier Rechtecke teilt. Die zunächst perfekt erscheinende Symmetrie wird jedoch durch geringe Abweichungen der verschiedenen Kacheln im oberen und unteren Bildteil durchbrochen. Der Kalt-Warm-Kontrast erweckt den Eindruck zweier aufeinandertreffender Gegensätze, die sich in der weißen Bildmitte begegnen.

Geboren 1910, hatte Kranz zunächst eine Lithografenausbildung in Bielefeld begonnen und fing parallel dazu mit der Erstellung erster künstlerischer Arbeiten zum Thema Reihung und abstrakter Prozesse an. Als Schüler von Paul Klee und Wassily Kandinsky lernte er am Bauhaus die Bedeutung von Komposition, Konstruktion und Funktion von Bildern und ihren Inhalten kennen.

Als einer der letzten Bauhausschüler vor der Schließung der Hochschule durch das NS-Regime 1933 kombinierte er in seinem Werk verschiedene künstlerische Ausdrucksmittel – von Collage- und Assemblagetechniken, über geometrische Aquarell- und Acrylmalerei und Lithografie bis hin zu naturalistischen Bleistiftzeichnungen oder Filmen.

Von 1950 bis 1975 setzte Kranz die Ideen und Ansätze des Bauhauses als Dozent an der Landeskunstschule Hamburg und der Staatlichen Hochschule für bildende Künste fort und entwickelte sie zusammen mit seinen Studenten weiter. In Fortführung der Bauhaus-Ideen legte er seinen Fokus in den 1950er Jahren auf Untersuchungen der Farbwirkung. Zunehmend interessierte er sich für die Wirkung des Simultankontrasts, nach den Vorbildern von Matisse und Klee.

So wird auch in dem hier vorgestellten Blatt der charakteristische Kalt-Warm-Kontrast verwendet, der die Betonung des Rot- und Petroltons noch verstärkt. Die geometrischen Einzelformen des Blattes Faden Kreuz befruchten sich gegenseitig und beeinflussen die Gesamtwirkung der Grafik. Die sogenannten „basic patterns“ beschäftigten Kranz lebenslang in seiner künstlerischen Arbeit, in der er „Dinge nach ihrem Eigentlichen“, das heißt in Hinblick auf ihre „geometrische Einfachheit“ untersucht.

Durch bewusste Durchbrechungen der selbst auferlegten geometrischen Regeln entgeht er jedoch der Strenge der exakten Symmetrie. Seine Matrix-Bilder der 1970er und 1980er Jahre erlangen dadurch besondere Lebendigkeit. In den Konstruktionsprinzipien lassen sich Parallelen zu Musik und Lyrik finden. Das wird dadurch deutlich, dass Kranz seine Bilder mit Begriffen wie Harmonie und Takt beschreibt.

Auch Anklänge an die in den 1950er und 60er Jahren entstehende Op Art (Kurzform für optical art, deutsch: optische Kunst) lassen sich in seinem Spätwerk finden. Schon die Bauhaus-Meister, allen voran Josef Albers und László Moholy-Nagy, hatten ihn für optische Täuschungen in Abhängigkeit von der Wahrnehmung des Betrachters interessiert.

Seine Arbeitsweise machte Kurt Kranz in einem Interview von 1990 deutlich: „Im Grunde diene ich der Form, indem ich immer neue Wege für sie suche und immer neue kombinatorische Öffnungen, wo sie hinein kann; indem ich sie völlig akzeptiere in der Farbe und in der Durchführung, bis sie mich ganz und gar gefangen nimmt wie ein Ding, nichts mehr von dem an sich hat, wie sie entstanden ist.“

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