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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Frauengesicht in lauter Linien

26.05.2018

Oldenburg Der „Frauenkopf“ von Karl Schwoon entstand 1928 am Bauhaus Dessau und zeigt in starker Vereinfachung ein menschliches Gesicht. Eine fast ununterbrochene Linie formt hierbei Kopfumriss, Augen, Nase und Mund. Nur die Haarpartie rechts wird aus mehreren Strichen gebildet. Die kindlich anmutende Arbeit kreist vor allem um die Fragestellung der Linie, die im Unterricht von Paul Klee zentraler Bestandteil war: „Klee führte uns zu den Wurzeln des grafischen Ausdrucks zurück, damit wir die unzähligen Bedeutungen, die man einer Linie auf zauberhafte Weise verleihen konnte, verstehen sollten“, erinnerte sich Schwoons Kommilitone Werner David Feist an diese Unterrichtsstunden.

Hinsichtlich des Werkes von Schwoon, dessen Frühwerk im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer größtenteils zerstört wurde, ist diese Arbeit ein wichtiger Baustein für die Rekonstruktion seiner Jahre am Bauhaus Dessau. Seine künstlerische Ausbildung hatte Schwoon bereits in Oldenburg begonnen. Seinem künstlerischen Interesse folgend nahm er Unterricht am Oldenburger Werkhaus und war anschließend Volontär im Malersaal des Oldenburger Landestheaters, als Walter Müller-Wulckow, Gründungsdirektor des Landesmuseums Oldenburg und Unterstützer von Gropius und dem Bauhaus, sein Talent entdeckte und ihn ans Bauhaus Dessau empfahl.

Gemeinsam mit Hermann Gautel brach Schwoon 1927 nach Dessau auf, wo sich die Wege der Oldenburger jedoch trennten: Während Gautel nach dem Vorkurs in die Metallklasse wechselte, besuchte Schwoon ab Sommersemester 1928 die Druckereiwerkstatt. Über den Unterricht hinaus engagierte sich Schwoon auch in der „Jungen Bauhausbühne“, beteiligte sich 1929 an der Braunschweiger Station der Wanderausstellung „Junge Bauhausmaler“ und war ab Juni des Jahres Hospitant in der Abteilung für Wandmalerei. Bevor er 1931 sein Bauhaus-Diplom erhielt, war er für kurze Zeit in der Bauabteilung tätig.

Nach dem Abschluss des Studiums kehrte Schwoon 1931 in seine Heimatstadt zurück. Hier engagierte er sich bei der avantgardistischen Oldenburger Vereinigung für junge Kunst: „Endlich wäre noch der junge Schwoon zu erwähnen, der mit Schöpfungen wie Klee energisch seinen Platz zu erringen sucht“, berichteten die Oldenburger Nachrichten.

Im März 1932 beteiligte sich Schwoon auch an der Ausstellung „Junge Oldenburger Photographen“. Das Leben führte ihn für Jahre nach Berlin, doch nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft kehrte Schwoon nach Oldenburg zurück. Hier setzte er sich mit Idealismus für den kulturellen Wiederaufbau ein. Am 1. Dezember 1945 übernahm er das Amt des Geschäftsführers des Oldenburger Kunstvereins. Um die eigenen Ideen eines kulturellen Neubeginns bestmöglich umsetzen zu können, gründete er Ende 1947 die progressive Galerie Schwoon (zunächst Brüderstraße 31, ab 1949 in der „Insel“ am Theaterwall 40), von der wichtige Impulse ausgingen.

Nachdem er die Galerie 1952 aus finanziellen Gründen aufgeben musste, arbeitete Schwoon bis zu seinem Ruhestand als Bildredakteur der Programmzeitschrift „Hörzu“, jedoch war er mit Beginn der Redaktionstätigkeit selbst wieder künstlerisch tätig geworden und ein umfangreiches Spätwerk entstand.

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