OLDENBURG - „Weniger, aber besser!“ – das ist der Leitsatz des international renommierten Designers Dieter Rams (75). Von 1955 an entwickelte er beim Elektrogerätehersteller Braun einen eigenen unverkennbaren Stil, der Funktionalität und Ästhetik gepaart mit kalkuliertem Understatement verschmolz.
Diese charakteristische Art der Produktgestaltung gewann internationale Anerkennung und eine fortwährende Vorbildfunktion. Bezeichnend für dessen gestalterische Diktion ist das hier als Kunstwerk des Monats im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte präsentierte Stereo-Kompaktgerät „RC 81“ aus der Atelier-Modellreihe von Braun aus dem Jahr 1958. Drei Gesichtspunkte sind dabei besonders interessant: technischer Fortschritt, originäre Formgebung und die sich in der Produktion von Luxusgütern widerspiegelnde wirtschaftliche Entwicklung der jungen Bundesrepublik.
Gegen Ende der 1950er Jahre zeichnete sich eine Verdrängung der Monophonie, der Einkanaltechnik, durch die Stereophonie, der Zweikanaltechnik, ab. Dem Hörer sollte ein bestmögliches Klangerlebnis geboten werden. Rams griff diese technische Innovation auf und setzte sie im „RC 81“ um.
Zur Generierung des räumlichen Wiedergabe-Effektes war es nötig, die bisherige Einheit von Steuergerät und Lautsprecher aufzuheben sowie einen zweiten Lautsprecher zu nutzen. Bilden beide Lautsprecher und der Hörer hierbei ein gleichseitiges Dreieck, entsteht die Illusion eines plastischen Klangbildes. Das „RC 81“ setzt sich aus einem Steuergerät, bestehend aus Radioempfänger und Plattenspieler, sowie den Lautsprechern zusammen. Als Vorlage dienten Rams Entwürfe von Hans Gugelot, der mit dem Braun „G 11“ aus dem Jahre 1955 das Design von Radiogehäusen revolutionierte.
Querformat, schwere dunkle Hölzer, Goldzierleisten und Stoffverkleidungen prägten seit den 1930er das wuchtige Einheitsgewand der Radios. Gugelot verwandte stattdessen helle Hölzer für ein minimalistisches Gehäuse sowie geprägte Blech-Stanzteile für die schräg gestellten Skalen und die Lautsprecherabdeckungen.
Funktionalität und elegante Schlichtheit in hellen, leichten Tönen strahlten dem muffigen Einheitsantlitz von zwei Jahrzehnten Radioentwicklung entgegen.
Dieses avantgardistische Konzept übernahm Rams für die Atelier-Modellreihe. Den Holzanteil verringerte er weiter und verstärkte damit das lichte und strahlende Erscheinungsbild. Das „RC 81“ erscheint dem Betrachter entrückt, es will so gar nicht dem tradierten Bild der Wohn- und Designkultur der 1950er Jahre entsprechen. Es hinterlässt eher einen wegweisenden Eindruck gleich einem flüchtigen Blick in die Zukunft.
