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Ausstellung Begegnungen mit der Farbe Grün

Regina Jerichow

OLDENBURG - Nur fantasielose Menschen würden wohl behaupten, dass ein Baum grün und ein Wald folglich nur eine Anhäufung von Grün sei. Wie viele Nuancen diesem Synonym für Natur aber zur Verfügung stehen, weiß nur, wer Christoph Peter Seidel kennt. Vier Jahre lang hat sich der Maler mit der Farbe beschäftigt und alle Schattierungen erfasst – von oliv- bis malachitgrün, von mai­- bis giftgrün, von tannen- über zinnober- bis veronese­grün. Auf seinem monumentalen Landschaftsrelief sind sie in Tropfen, Klecksen und Schlieren versammelt und flirren um die Wette.

Sieben mal vier Meter groß ist das Bodenrelief des Bad Iburger Künstlers (Jahrgang 1964). 23 dreieckige Elemente fügen sich kaleidoskopartig und in unterschiedlicher Höhe zu einem Rechteck zusammen, das einem Waldboden im Sonnenlicht gleicht. Das Kunstwerk ist das Zen­trum einer ungewöhnlichen Ausstellung, mit der das Oldenburger Stadtmuseum einen ganz eigenen Akzent zum Thema Landschaftsmalerei setzt.

„Orte der Sehnsucht“

„Orte der Sehnsucht“ wurde die Schau überschrieben, die das Naturerlebnis in der Kunst dreier Jahrhunderte auslotet. Wobei die Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert zwanglos mit der Auffassung von Seidel in Beziehung treten, der sich bei aller Abstraktion und Modernität nicht als Action-Painter ` la Jackson Pollock, sondern als traditioneller Landschaftsmaler versteht und sein Werk daher „Kontinuum“ nennt.

Ungewöhnlich ist die Ausstellung schon deshalb, weil das Stadtmuseum auf eigene Bestände zurückgreift und dennoch den Eindruck erweckt, etwas völlig Neues zu präsentieren. Die 23 Exponate sind nach den Worten von Museumsdirektor Dr. Friedrich Scheele eigene „Preziosen“, die entweder unauffällig in der Dauerausstellung oder im Magazin hingen.

Subjektives Erlebnis

Die Ausstellung wurde chronologisch gehängt und startet mit den Oldenburger Hofmalern Strack, Tischbein und Willers und deren arkadischen Ideallandschaften, die Titel tragen wie „Eine Ebene vor Theben mit Heraklion“ (Ernst Willers) und auch genauso künstlich wirken. Um 1830 beginnen die Maler, norddeutsche Landschaften ins Auge zu fassen wie Moor- und Heidegebiete, den Rasteder Schlosspark oder den Hasbruch, der zum düsteren Märchenwald mutiert. Und ein Mann wie Willers verdichtet das Landschaftserlebnis schließlich 1828 zu einer realistischen Birkenstammstudie. Einzige Frau in der Runde ist die Oldenburger Malerin Wilhelmine Mehrens, die mit ihrem klitzekleinen Bild „Fischer bei Nacht“ (1855) durchaus in Konkurrenz zu Caspar David Friedrich tritt.

Inspiriert von diesen Vorgängern wird die Landschaft bei Malern wie Gerhard Bakenhus oder Georg Müller vom Siel vollends zum subjektiven, sehnsuchtsvollen Erlebnis, der Pinselstrich bewegter und die Farbwirkung von Geest- und Heidelandschaften impressionistischer. Den Abschluss macht schließlich das geheimnisvoll leuchtende Unterholz „Im Nadelwald“ (1906) von Wilhelm Kempin, das wie eine Vorstudie zum Relief von Seidel aus dem Jahr 2010 wirkt – schöner lässt sich eine gemalte Zeitreise nicht beenden.

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