OLDENBURG - Antje Tietken schwärmt, wie nur Frauen schwärmen können, wenn sie von Armin Mueller-Stahl sprechen. „Das liegt“, betont sie allerdings sofort, „nicht nur an den blauen Augen des herrlich jung gebliebenen Schauspielers.“ Das läge vielmehr auch daran, dass der unprätentiöse Mann eine Mehrfachbegabung sei. Und eine fleißige dazu.

„Als wir in sein Haus bei Lübeck kamen“, erzählt Antje Tietken, hatte der Schauspieler, Schriftsteller, Maler und Zeichner gerade Klavier gespielt. Mueller-Stahl führte die Oldenburger Kuratorin herum, und siehe da, die Werke stapelten sich zahlreich, man hatte die Qual der Wahl, man hätte das Horst-Janssen-Museum damit tapezieren können, worauf man indes weise verzichtete.

Ein Janssen-Porträt

Ausgewählt hat Antje Tietken nun für die ab Sonntag laufende Schau ca. 120 Arbeiten aus der Zeit zwischen 1999 und 2009 auf Papier – passend zum Horst-Janssen-Grafik-Museum. Ein Stockwerk füllen diese Werke, vornehmlich Porträts von prominenten Personen wie Herbert Wehner, Stanley Kubrick, Jimi Hendrix oder John Lennon, oft hingeworfen mit wenigen Strichen, unakademisch und frei. Gezeichnet und gemalt hatte Mueller-Stahl schon länger, bekannt wurde das aber erst vor etwa zehn Jahren.

Ein Porträt zeigt ihn selbst als Narren, eine Schlüsselrolle des transatlantischen Meisters. Porträtiert wird assoziativ nach Vorlagen oder aus dem Kopf, mal deutlicher, mal verschwommener. So kommt es, dass man im Janssen-Museum auf ein Janssen-Porträt stößt, von dem man schon wissen muss, dass es Janssen darstellt.

Oft legt Mueller-Stahl zunächst farbige Flächen oder breite Strukturen an, dann zeichnet er darauf. Auf diese Weise landet Turgenjew auf einem grünen Fleck. Pina Bausch würdigt ein kleiner Zyklus, Goethes „Faust“ ein größerer, Michael Jackson sehen wir düster mit dem „weißen Tod“ in einem anderen. Zwei runde Tische präsentieren übermalte, aquarellierte DinA4-Blätter – Drehbücher und Notizen zu Thomas Manns „Buddenbrooks“ und zum berühmten Film „Die Manns“. Wie bei den Porträts korrespondieren hier die Bilder und Texte miteinander.

Zeichnen hilft

Tusche, Ölfarbe, Kreide, Bleistift, Glanzspray, Lippenstift – jedes Mittel ist beim Gestalten recht. Man spürt den Spaß, den der Künstler bei der spontanen Arbeit hat, die für ihn keine ist. Andererseits hilft das Zeichnen beruflich ein wenig. „Dadurch lerne ich die Figuren besser kennen“, erklärte Mueller-Stahl einmal.

So bleibt nur eine wichtige Frage, die ausschließlich die Besucher dieser Schau beantworten können: Geht man wegen der Kunst oder wegen des berühmten Namens in die Ausstellung? Da kommen wieder die blauen Augen ins Spiel. Den Kunstwerken ist die Antwort übrigens egal.