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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung: Ein Künstler reißt alles ab

29.06.2018

Oldenburg Große Fenster zeigen weite Landschaften. Aber der Blick nach draußen wird von feuchtem Hauch getrübt. In diesen wurden mit dem Finger Linien gezogen, so wie wir alle Zeichen auf feuchte Fensterscheiben setzen. Nur hat Jochen Mühlenbrink diese Motive im Jahr 2017 gemalt – Glas, Hauch, Striche, Landschaft sind fiktiv und ergeben mit dem Bild eine andere Realität, als ein Blick nach draußen darstellt.

Der „trompe l’oeil-Effekt“ (Augentäuschung) durchzieht das Werk, aber Mühlenbrink belässt es nicht damit, wenn er vor gemalter Fläche reale Platten stellt, wobei es ihm auch um Farbrelationen und um Formenspiele geht.

Auch Farbe kann ausgegossen werden und die abgestellten Kartons und Behälter färben und verwandeln. Die alltägliche Situation wird zu einer Kunst-Installation und gewinnt damit eine ganz andere Realität. An zentraler Stelle in der Neuen Galerie des Oldenburger Stadtmuseums hängt jetzt in der Ausstellung ein weißgraues Bild, scheinbar mit Klebestreifen roh umrandet und auf der musealen Stellwand festgeklebt. Dabei wird sichtbar, dass das Bild mit dem vieldeutigen Titel „Stilllife“ die gleiche Farbe hat wie die Wand: Integration als Augentäuschung.

Scheinbar ist die Bearbeitung der Bildgründe und auch der aufgesetzten Formen nachlässig geschehen. Aber gerade diese Beiläufigkeit als Programm zu erarbeiten, ist schwierig, weil der Blick an Äußerlichkeiten hängen bleibt und der Gedanke an die Vanitas sich im Kopf nur allmählich bildet.

Mühlenbrink, der heute in Düsseldorf und Oldenburg lebt, hat bei Markus Lüpertz studiert. Er war 2010 mit dem Kunst-Förderpreis der Öffentlichen Versicherungen ausgezeichnet worden. Nun zeigt er große Bilder mit Abriss-Motiven wie von Plakatwänden.

Im Unterschied zur Arte povera, die das Thema einst auch behandelte, überzieht er Schicht um Schicht mit neuen Einfällen, die aus dem einzelnen Abriss eine Flut von Verwandlungen, einen Prozess des Vergehens produziert, der aber aufgefangen wird von spannenden Farbbeziehungen. Die lassen den Vorgang angenehm erscheinen.

Doch der Blick verwirrt sich, weil er Schwerpunkte nicht erkennt oder nicht festhalten kann. Mühlenbrink ist da nicht ängstlich im Umgang mit Empfindsamkeiten. Der Betrachter muss nur den Falz der Umkehrung erkennen, der den ersten Eindruck auf die Ebene der Sinngebung hebt.

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