OLDENBURG - Sind Malerei und Fotografie Konkurrenten? Wilfried Körtzinger, Maler und Lehrer in Cloppenburg, hat Wege gefunden, ein Gleichgewicht zwischen beiden Disziplinen herzustellen. Seine Körpermalerei ist mehr als nur das Bemalen von Leib und Gliedern, und die Fotografie, mit der das Bemalte festgehalten wird, ist mehr als der Schnappschuss eines Voyeurs.

Der Künstler schafft zunächst einen drei mal drei Meter großen Raum, der abstrakt oder landschaftsähnlich ausgemalt wird. Dabei greift Wilfried Körtzinger auf ältere Stilrichtungen wie Tachismus, Monochromie oder geometrische Kunst zurück, findet aber auch viele Möglichkeiten zwischen den Stilen.

Das Modell wird im Raum platziert. Dabei handelt es sich um ausgewählte junge Mädchen und Frauen ohne Modell-Erfahrung. Sie nehmen ihre Haltungen vor der Kamera ohne angelernte Posen ein. Das Modell wird in gleicher oder ähnlicher Weise wie der umgebende Raum bemalt, so dass es sich nur wenig von Wand und Boden des bemalten Raumes abhebt; es wird in das Farbensemble integriert. Schließlich werden Figur und Raum fotografiert.

Auch bei diesem Schritt folgt der Künstler eigenen Überlegungen: Er arbeitet mit einem wertvollen analogen Apparat, nicht nur, weil er dann die gesamte technische Arbeit in eigener Hand behalten kann, sondern auch, weil er der Qualität der klassischen Kamera mehr vertraut als digitalen Produkten.

Eine Nachbehandlung im Computer kommt nicht in Frage. Stattdessen hat sich Körtzinger ein Fotolabor eingerichtet, um den gesamten Arbeitsprozess der Fotoentwicklung und Vergrößerung allein bewältigen zu können. Diese Konzentration auf einen einheitlichen, wenn auch traditionellen Ablauf findet im Bild eine Entsprechung: Die Farbgebung integriert das Modell so stark in den Raum, dass es zuweilen nicht mehr auffällt.

Die Mimikri (Anpassung) ist beabsichtigt, um den Bildern die voyeuristisch-erotische Note zu nehmen. Es geht Körtzinger weder um Nacktheit, noch um Erotik, sondern um ein verwirrendes Farbenspiel auf unterschiedlichen räumlich-plastischen Gründen.

Das wird malerisch entwickelt, aber erfährt durch die Glätte der Fotografie eine kühle Distanzierung. In dieser Weise geht es um die Integrität von Raum und Körper, Malerei und Fotografie.