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Ausstellung Geschichte einer Plastikflasche

Reinhard Tschapke

OLDENBURG - Putzkräfte entsorgten die Plastikflasche. Plötzlich war das gelbe Ding weg. Klebte nicht mehr auf dem sich drehenden Plattenspieler, wurde nicht mehr von einer Kamera abgefilmt und als Projektion an eine Wand geworfen.

Eine Reinigungskraft hatte am Mittwoch, nur einen Tag vor der Eröffnung der Ausstellung, offenbar die leere, recht billig aussehende Plastikflasche weggeworfen. „Nicht so schlimm“, winkt die lachende Künstlerin ab. „Damit steht Oldenburg jetzt neben der zerstörten Fettecke von Beuys und Kippenbergers verunstaltetem Kunstwerk in Köln“, sagt Sabine Himmelsbach, Leiterin des Edith-Ruß-Hauses. Ein Augenzwinkern relativiert zum Glück die Ernsthaftigkeit dieser Aussage.

Die Installation mit dem Plattenspieler ist schnell repariert, das Kunstwerk leicht wieder hergestellt. Und zudem: Ein „Gesamtkunstwerk“ sei das, sagt Sabine Himmelsbach, demnächst scheidende Chefin des Ruß-Hauses. Und sie meint ihr ganzes Haus, auf dem oben während der neuen Ausstellung die etwas rätselhafte Leuchtschrift „Youyou“ lockt.

Extrem langsam

Innen gibt die Installationskünstlerin Claudia Kapp einige Einblicke in ihre Arbeit. Die gebürtige Freiburgin, die in Bremen und Den Haag studierte und heute in Berlin lebt, bilanziert damit auch ihren zwölfmonatigen Aufenthalt in New York. Den hatte ein gemeinsames Stipendium der niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Ministeriums für Kultur in Hannover ermöglicht.

Das Besondere an Claudia Kapps Kunst ist, dass sie das Alltägliche ins Besondere befördert. Dafür benutzt sie Videos, Musik und Licht. So hat sie in einem Raum auf einer Wand fünf langsam laufende Filme nebeneinandergeschaltet, die den Sonnenaufgang durch sture Kameraeinstellung in verschiedenen Stadien thematisieren. In einer Endlosschleife beginnt die arme Sonne in fiktiven Landschaften nach etlichen Minuten wieder von vorn aufzugehen. Das vermittelt, erklärt die Künstlerin gern, etwas Positives, viel Aufbruchsstimmung. Und natürlich hat es auch etwas Meditatives an sich.

In einem anderen Raum locken die sonst an hohen Gebäuden angebrachten, warnenden „Hindernisfeuer“. Theaternebel sorgt für eine weltabgewandte, morgendliche Stimmung. An anderer Stelle läuft ein Interview mit einem Drehbuchautor. Beim Reinhören wird einem klar, dass wahrscheinlich dieser kleine Film über ihn der einzige bedeutende Film seines Lebens bleiben wird – trotz der positiven Aufbruchsstimmung, die der nette, indes unbegabt wirkende Herr vermittelt.

Sehr selbstbewusst

Kurios erscheinen aus dem Netz entnommene Kurzfilmchen mit wackelnden Pobacken. Das Gewackel geschieht zu einem zunächst nicht hörbaren Lied und schwankt zwischen Erotik und Unsinn. Jedenfalls wird klar: Wer sich so affig im Internet exponiert, hat viel Selbstbewusstsein oder viel Humor. Oder beides, was auch nicht schaden kann.

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