OLDENBURG - Vor etwa 170 Jahren wurden bei der archäologischen Aufarbeitung des vorderasiatischen Raumes einige Tafeln mit Teilen des Gilgamesch-Epos gefunden. Es wird für die älteste Dichtung der Welt gehalten. Inzwischen gibt es weitere Fragmente in mehreren Sprachen. Alle Bruchstücke sind heute übersetzt.
Die sumerische Version, vermutlich die älteste, diente Ilona Bock aus Edewecht-Wildenloh als Vorlage für ihre Zeichnungen. Sie illustrieren Taten und mehr noch Emotionen von Gilgamesch, dem Herrscher von Uruk, und seinem Freund und Diener Enkidu sowie der Göttertochter Ischtar, Göttin der Liebe, die von Gilgamesch verschmäht wurde. Sie rächte sich, ließ Enkidu töten, aber nicht Gilgamesch, der zu leiden hatte.
Ilona Bock unterlegt den Bleistiftzeichnungen jeweils eng umrissene Textstellen, die dann expressiv und realistisch mit vielen Dunkelheiten ausgearbeitet werden. Als Zeichnerin, die an der Uni Oldenburg Kunst studiert hat, weiß Ilona Bock mit Tonwerten in Schwarzweiß umzugehen, sie modelliert die in den Vordergrund gestellten Figuren plastisch und umgibt sie mit vielen Landschaftdetails, die der Fantasie entsprungen sind.
Märchen thematisiert
Allen ausgestellten Werken ist eine erzählerische Haltung gemeinsam; auch den Kinderbuch-Bildern, die in hellen Farben Märchen der Brüder Grimm, aber auch Geschichten der Autorin wiedergeben. Die Figuren und die vielen Gegenstände in der Landschaft werden unmittelbar, unverstellt und damit auch in der Wahl der Farben bewusst kinderfreundlich dargestellt.
Papierfalten ist im Zeitalter des Computers als Zeitvertreib nicht mehr weit verbreitet. Doch immer größer wird der Kreis von Menschen, die Papier zu falten als künstlerische Handlung betrachten. Sie vereinen sich national und international unter dem japanischen Begriff Origami, der Papier falten bedeutet. 2004 hat sich eine Oldenburger Gruppe mit Namen Anelkuma gebildet, kein japanisches Wort, sondern aus den ersten Buchstaben der Vornamen der vier Gründungsmitglieder gebildet.
Unendliche Geduld
Was die gegenwärtig sieben Aktiven der Gruppe können, nötigt Respekt ab. Schere und Klebstoff sind untersagt, nicht aber ein Computer, an dem in den USA Origami-Anhänger komplizierteste Faltungsvorgänge entwickeln. Nach Vorlagen mit allen Schwierigkeitsgraden, aber auch nach eigenen Ideen entstehen räumliche Szenen und plastische Einzelstücke, nicht ohne Witz wie die Leseratte, aber immer regelgerecht aus einem quadratischen Stück Papier.
Ist dieses farbig, werden die Objekte, beliebt sind auch Rosen, umso wirklichkeitsnäher. Das Papierfalten reizt zur Nachahmung, aber Voraussetzungen sind unendliche Geduld und eine außergewöhnliche Fingerfertigkeit.
