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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ohne die Zaren ging in Oldenburg nichts

21.06.2018

Oldenburg Oldenburg und Russland haben eine ganze Menge gemeinsam: Grund ist die nahe Verwandschaft der russischen Zaren zum Oldenburger Herzogshaus. Und ohne die russischen Kaiser wäre es nie zu einem Herzogtum Oldenburg gekommen, sagt Prof. Dr. Gerd Steinwascher, Leiter des Landesarchivs Oldenburg. Dort werden in einer Ausstellung, die ab Donnerstag, 21. Juni, zu sehen ist, Urkunden von allen russischen Kaisern aus dem Hause Holstein-Gottorf – von Peter III. (1761) bis zu Nikolaus II. (bis 1917). Die Verwandschaft des Oldenburger Herzoghauses zum Zarenhaus war weit mehr als eine familiäre Beziehung. „Ohne die Unterstützung der Herzöge durch ihre russische Verwandschaft hätte das Oldenburger Land nicht seine heutige Gestalt“, sagt Steinwascher und verweist auf die Erweiterung des Herzogtums Oldenburg um Cloppenburg und Vechta sowie Wildeshausen, ferner Kniphausen (beim späteren Wilhelmshaven gelegen) zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Buch und Ausstellung

Oldenburg und Russland: Prof. Dr. Gerd Steinwascher und Archivoberrat Dr. Wolfgang Henninger sind Mitautoren eines Buches, das Anfang Juli im Wallstein Verlag, Göttingen, erscheint: „Russlands Blick nach Nordwestdeutschland“ ist der Titel des 300 Seiten umfassenden Buchs, das Aufsätze zur Beziehung der (Braunschweiger) Welfen und des Hauses Holstein-Gottorf nach Russland enthält.

Eine Ausstellung unter dem Titel „Oldenburg und Russland“ ist im Landesarchiv in Oldenburg (Damm 43) zu sehen. Die Schau wird an diesem Donnerstag um 19.30 Uhr eröffnet. Öffnungszeiten: mo. 9–16 Uhr, di., mi. und do. 9–18 Uhr, fr. 9–13 Uhr.

„Da zeigt sich, wie europäisch Oldenburg war“, sagt Steinwascher. Ohne den Zaren ging in Oldenburg nichts: Der russische Kaiser war zugleich Chef des Hauses Holstein-Gottorf. Eine Heirat im Hochadel (und dazu gehörte das Herzoghaus) musste der russische Zar genehmigen. Das zeigt in der Schau eine Heiratsurkunde, unterschrieben von Alexander II. Damit das Jeverland zum Herzogtum gelangen konnte, musste Kaiser Nikolaus I. seinen Verzicht erklären, eine weitere Urkunde der Schau. Schließlich verzichtete der letzte russische Kaiser, Nikolaus II., 1903 auf Ansprüche in Holstein zugunsten der Glücksburger Linie des Hauses Holstein-Gottorf, eine weitere (auf Deutsch geschriebene) Urkunde im Oldenburger Landesarchiv, die der Kaiser übrigens als Nicolaus unterzeichnete. Dass die Verwandtschaft in Russland zwar mächtig, aber auch Spielball der Machtpolitik war, zeigt das Schicksal von vier der sieben Kaiser: Peter III. wurde umgebracht (im Auftrag Katharinas), Paul I. wurde ebenfalls umgebracht, Alexander II. wurde von Anarchisten erschossen und der schon erwähnte Nikolaus II. von Bolschewisten umgebracht. Das Schicksal der russischen Verwandten „wird die Oldenburger Großherzöge berührt haben“ vermutet Steinwascher, und wird auch das Verhalten bei dem Aufstand der Wilhelmshavener Matrosen im November 1918 beeinflusst haben - die rasche Abdankung.

Nicht nur Fürsten sind aus Norddeutschland nach Russland gezogen, auch Fachleute, die zur Modernisierung des Riesenreiches beigetragen haben wie Burchard Christoph Graf von Münnich (1683 – 1767), der als oldenburgischer Wasserbauingenieur nach Russland zog und dort den Ladoga-Kanal schuf, der eine Verbindung auf dem Wasserweg von St. Petersburg nach Moskau ermöglichte. Seine Geschichte hat Wolfgang Henninger aufgearbeitet. Münnich überlebte eine 20-jährige Verbannung in Sibirien unter Kaiserin Elisabeth, wurde vom ersten oldenburgischen Kaiser Peter III. rehabilitiert und diente noch unter Katharina II. Ein Teil der Ausstellung im Landesarchiv ist ihm gewidmet. Weitere Dokumente in der Ausstellung sind etwa der Briefwechsel des Oldenburger Herzogs Peter Friedrich Ludwig mit Maria, der Frau des russischen Kaisers Paul. Schließlich erzählt ein Schnurbuch (eine Art fälschungssicheres Rechnungsbuch) oldenburgischer Soldaten im napoleonischen Freiheitskrieg von einem weiteren Kapitel europäischer Geschichte mit oldenburgischem Einfluss (Herzog Peter Friedrich Ludwig musste bei seinen russischen Verwandten Zuflucht vor Napoleon nehmen).

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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