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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung: Kalender als grafische Schmuckstücke

22.02.2020

Oldenburg Streng genommen erfüllt er seinen formalen Anspruch: Der Scriptura-Kalender zeigt Jahr und Tag – doch mitnichten ist er nur ein Gebrauchsgegenstand. Er ist Sammelobjekt, Schmuckstück, Unikat – erschienen in den Jahren 1971 bis 2000 unter dem Herausgeber Hans A. Halbey, damaliger Leiter des renommierten Klingspor Museums Offenbach, im Verlag Wilhelm Kumm, und nach dessen Tod 1986 im Verlag und Druckerei Darmstädter Echo. Gehütet wurde dieser Schatz bislang in der bibliophilen Sammlung Feenders; die Landesbibliothek Oldenburg bringt die Scriptura-Kalender nun mit ausgewählten Blättern in ihren Räumen am Pferdemarkt an die Öffentlichkeit. Und damit nicht genug der Freude: Der Scriptura- Kalender geht als Schenkung an die Landesbibliothek.

In den 30 Kalendern wurden Arbeiten von 256 Schriftkünstlern und Typographen aus 32 Ländern abgebildet. Vorwiegend waren dies lebende Schriftkünstler, aber auch Horst Janssen und Pablo Picasso. Als Prinzip galt: Jeder sollte nur einmal vertreten sein. Die Kalender waren indes so beliebt, dass die Vorgabe 37 Mal durchbrochen wurde.

Verleger Kumm setzte zugleich ein zweites Prinzip durch, das wohl einmalig ist: Jedes Kalenderblatt sollte auf dem für die Grafik geeigneten Papier und in originellen drucktechnischen Verfahren hergestellt werden. Solides Druckhandwerk vermählt mit gestalterischem Talent.

Außerdem wurde jeder Jahrgang unter ein eigenes Motto gestellt: Schrift in ornamentaler Anwendung, Schrift auf Briefmarken, abstrakte Schrift, Sinnsprüche, farbige Zeichen, Notenschriften, Typographie zwischen Dada und konkreter Poesie, Graffiti. Zudem finden sich Schriftkünstler außerhalb des europäischen Schrift- und Sprachraumes: aus dem chinesischen, japanischen, arabischen, tibetanischen, hebräischen, kyrillischen und aus Indien. Aus der prä-digitalen Ära, aber nicht aus der Zeit gefallen.

Die Einzigartigkeit der Objekte betonten der honorige Emder Sammler Onno Feenders und Corinna Roeder, die Direktorin der Landesbibliothek Oldenburg: „Wir sehen hier die Wandlung eines Gebrauchsmediums zu einer eigenen Kunstform. Scriptura wurde zum Phänomen.“

Wilhelm Kumm und Hans A. Halbey hatten ihr Projekt auf wenige Kalender-Jahre angelegt. „Wir waren damals überzeugt, dass wir das nur über höchstens fünf bis sechs Ausgaben würden durchhalten können“, erinnerte sich Halbey später. Um dem Unternehmen von vornherein eine progressive Note zu geben, wurden gleich im ersten Kalender experimentelle Beispiele der Schriftkunst, Typografie und Gestaltung gezeigt. Mit Erfolg: Aus fünf, sechs Jahren wurden drei Jahrzehnte. Die schönsten Exemplare sind nun in Oldenburg zu sehen.

Ohnehin absolviert die Landesbibliothek Ausstellungen zur Buchdruckkunst seit über zehn Jahren mit großer Leidenschaft und dauerhaftem Erfolg. Auch Sammler Feenders hat sich in den Jahren 2014 (100 Jahre Pressedrucke) und 2018 (über Gestalter und Grafiker Otto Rohse) mit seiner Expertise eingebracht.

Jetzt möchte der 78-Jährige seine umfangreiche bibliophile Sammlung von 1000 Bänden der Landesbibliothek vermachen. Der Kaufpreis soll im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen, hieß es. Nun werden Wege und vor allem Mittel zur Finanzierung gesucht, so Corinna Roeder, um diesen Schatz zu bergen.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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