OLDENBURG - OLDENBURG - Ein Festival von Karikatur und Cartoons im Augusteum, ein Blick auf kritische und politisch motivierte Malerei zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Oldenburger Kunstverein – beide Veranstaltungen ergeben zusammen ein einmaliges Panorama gesellschaftskritischer und zeitgeschichtlicher Auseinandersetzungen.
Das Augusteum wurde für Serien und Bilder der wichtigsten Cartoonisten, Karikaturisten und Satiriker der Bundesrepublik leer geräumt. Sie bilden zwei Gruppen: Die Älteren, von denen die jüngst gestorbenen F. K. Waechter, Bernd Pfarr, Volker Kriegel und Chlodwig Poth mit ihren letzten Arbeiten kleine Retrospektiven erhalten haben, sezierten die banalen Verhaltensweisen der bürgerlichen Gesellschaft in der alten Bundesrepublik. Die Jüngeren wie Rudi Hurzlmeiner oder Eugen Egner haben einen härteren Biss. Als Nachkommen der Sex-Revolution ist ihre Erotik handgreiflicher, ihr politisches Engagement jedoch geringer ausgeprägt.
Die Bildserien der Älteren, zu denen auch Hans Traxler und Robert Gernhardt zu rechnen sind, operieren von einer gemeinsamen Basis aus. Die jüngeren Künstler wie Rattelschneck oder Hilke Raddatz, auch wenn sie schon Angela Merkel unter dem Stift hatte, sind Einzelkämpfer und ihre Pointen wollen nicht immer bitter sein. Ein Beispiel für menschliche Realsatire liefert Jupp Mönster, der einzige Oldenburger in diesem Kreis, mit Abzügen einer auf dem Flohmarkt erworbenen privaten Diaserie.
Der Kunstverein ist als Alternative zu sehen. Dort werden Malerei, Collagen und Zeichnung, aber auch Plastik, Video und Film als Ausdrucksformen einer engagierten Einstellung gegenüber Vergangenheit und Gegenwart vorgestellt: Jörg Immendorf zeigt in seinem Gemälde aus der Serie „Café Deutschland“ das handwerkliche Basteln am Staat, den Georg Herold mit einfachen Holzstücken konturiert. Beide demonstrieren wenig Zutrauen zur Festigkeit des Entstandenen. Siegerkränze errichtet Rirkrit Tiravanija zu einem Turm, der auch eine Halde vergänglichen Ruhms sein könnte, so wie Jonathan Meese mit seiner grafischen Malerei den Nationalmythos „Hagen von Tronje“ aufs Korn nimmt. Josephine Meckseper setzt mit ihren acht Streifen aus den drei Nationalfarben einen ironischen Schlusspunkt in der reichen Übersicht.
„Schwarz, Brot, Gold“ wird morgen um 11.15 Uhr im Oldenburger Kunstverein eröffnet. Die große Schau ist bis zum 5. Februar 2006 im Augusteum (Elisabethstr. 1) und im Oldenburger Kunstverein (Damm 2a) zu sehen. Geöffnet: dienstags bis freitags 9–17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, sonnabends und sonntags 10–17 Uhr.
