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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mit dem Holz kommt Distanz

09.06.2018

Oldenburg Ruhig aufgerichtet, mit locker herabhängenden Armen, den Kopf mit großen Augen geradeaus gerichtet – so steht ein junger Mann auf der geglätteten Oberfläche eines Baumstammes. Sein Gesichtsausdruck ist skeptisch, zurückhaltend, ernst. Erst allmählich wird dem Betrachter klar, dass dieser Mensch mit weißem Hemd und schwarzer Hose im Baumstamm verwurzelt ist, da er aus dem fehlenden Teil des Baumes herausgeschlagen wurde.

Scheinbar schön

Er ist das jüngste Glied in einer Folge von Figuren, die der Bildhauer Stephan Balkenhol seit Mitte der 80er Jahre entwickelt hat. In der bemerkenswert großen Einzelausstellung in der Kunsthalle Emden wird diese Gestalt variiert: Sie bewegt ihre Hände, sie kann etwa einen Hut halten, ihre Kleidung wird farblich gewechselt.

Ihr wird ein entsprechender Frauentyp zugesellt, der nicht fröhlicher ist. Denn letztlich ist der Schritt, den Menschen als Tod darzustellen, naheliegend.

Balkenhols Skulpturen, kaum in ihrer Oberfläche geglättet, sind, auch wenn in Einzelbeispielen die skulpturale europäische Tradition mit Ur-Frau, Torso, Rind und Löwen aufgenommen wird, Ausdruck einer distanzierten Haltung gegenüber dem zeitgenössischen Treiben in der Welt.

In der Ausstellung „Auferstehungen“, eine Auswahl des neuen Direktors der Kunsthalle, Stefan Borchardt, aus der Sammlung der Kunsthalle, wird die Ursache dieser Haltung gesucht, indem Bilder der Expressionisten aus der Zeit von 1907 bis 1928 befragt werden. Sie zeigen die scheinbar schöne Zeit der alten hierarchischen Gesellschaft, ihre Gärten und Villen, ihr harmloses Spiel im Grünen. Aber die Bilder werden mit Texten zu den einzelnen Künstlern konfrontiert, die jeweils in deren Kernaussage zu Krieg und Katastrophen münden.

Mensch aus Masse

Das friedliche Sein in Bildern von Gabriele Münter und Erich Heckel wird konfrontiert zu Werken von Max Beckmann, Otto Dix und zu Lovis Corinths Zyklus „Sündflut“, 1923. Aber nicht alle Zeitzeugnisse schließen sich dem revolutionären Zug an, wie die Landschaftszeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner oder Max Pechsteins „Hängematte“ erkennen lassen.

Die Bilder aus der Sammlung van de Loo ergänzen diesen Exkurs mit Kunst der 60er Jahre, also zumeist mit starken Abstraktionen vom Emil Schumacher, Saura, HP Zimmer oder Sonderborg. Doch dann taucht das Menschenbild aus der Farbmasse wieder auf, erschreckend in der Fahlheit, auch wenn viel Farbe eingesetzt wurde – die Köpfe von Miriam Cahn, die auch schon auf der letzten Documenta die Besucher erstarren ließen.

Bezogen auf die Schrecken in der Welt markiert sie eine Haltung jenseits der gelassenen Gleichgültigkeit: Die Haltung des Verlierens im Untergang.

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