OLDENBURG - OLDENBURG - Sämtliche Trauergäste von Horst Janssens Beisetzung vor zehn Jahren sind im Bild festgehalten – die Prominenten, die Galeristen, Verleger und Freunde, die meisten seiner Frauen und alle vier Kinder. Quasi jeden Meter des letzten Geleits hat die Kamera dokumentiert, nur eine Winzigkeit fehlt. „In der Lamberti-Kirche kam ein Schmetterling aus den Blumenbuketts heraus und flog während der Trauerandacht immer zwischen dem Sarg und der Familie herum – alle haben gestrahlt“, erinnert sich Janssens Freund Erich Meyer-Schomann. Die kleine Einlage passte jedenfalls zu dem exzentrischen Zeichengenie, das immer für eine Überraschung gut war.
Auch ohne bunten Falter sind die 70 Farbfotos von Poldi Roth eine geradezu lückenlose Dokumentation, die das Janssen-Museum aus Anlass des zehnten Todestages des Hamburger Künstlers am 31. August zeigt. Die Bilder-Chronik, die keinerlei künstlerischen Anspruch erhebt, wird nur 14 Tage lang zu sehen sein. Janssen-Fans, denen das zu dürftig erscheint, müssen sich bis zum 14. November gedulden, dem 76. Geburtstag des Künstlers. Dann wird eine Ausstellung mit den berühmten großformatigen Blumen-Stillleben eröffnet.
Bis dahin bleibt die Erinnerung an eine Beisetzung der Extraklasse. Der 65-Jährige wurde am 8. September 1995 auf eigenen Wunsch auf dem Oldenburger Gertruden-Kirchhof beerdigt. Drei Jahre zuvor, bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde, hatte er der Stadt seinen „Leichnam“ versprochen und angekündigt, sich zu seiner Mutter Martha „unter den Rasen“ zu legen. In Oldenburg hatte er die prägenden Jahre seiner Kindheit verlebt. Von Hamburg fühlte er sich in seinen letzten Lebensjahren nicht mehr angemessen gewürdigt.
Die Oldenburger legten sich da schon mehr ins Zeug. Janssens Wunsch entsprechend wurde sein Sarg mit einer von vier Rappen gezogenen Trauerlafette durch die Innenstadt zum Friedhof gefahren. „Er war sich seiner eigenen Bedeutung offenbar durchaus bewusst“, kommentiert Museumsleiterin Jutta Moster-Hoos.
Zu den Trauergästen gehörten auch zehn Hamburger Taxifahrer, die ihren Stammkunden auf seinem letzten Weg begleitet hatten. „Die waren von ihm ständig beschäftigt worden, etwa um mal schnell eine Stange Zigaretten zu besorgen“, erzählt Meyer-Schomann. „Geld spielte für Janssen keine Rolle. Dazu hatte er überhaupt kein Verhältnis.“
Eine weitaus größere Bedeutung hatte für Janssen der Tod, mit dem er sich in zahllosen Zeichnungen auseinander gesetzt hat. „Er sprach ständig davon“, erinnert sich sein Freund und Sammler. „Aber Angst? Nicht die geringste!“
