OLDENBURG - Vor einigen Jahren ist Hans Beelen vom Seminar für Niederlandistik der Universität Oldenburg auf den Geschmack gekommen, und nun lässt das Salz ihn nicht mehr los. In detektivischer Kleinarbeit hat der Niederlandist Bücher der Landesbibliothek aus dem 16. bis 19. Jahrhundert durchforstet, um das Salz in der Suppe zu finden für seine Ausstellung.
Entstanden ist die Schau „Der mythische Kristall. Die Kulturgeschichte des Salzes in Drucken aus sieben Jahrhunderten“, die gestern auf zwei Etagen in der Oldenburger Landesbibliothek feierlich eröffnet wurde. Gewürzt ist sie mit historischen Abbildungen und süßen Salzstreuern. „Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte erst genießbar macht“, wird Johann Wolfgang von Goethe zitiert, dessen Büste im Miniaturformat als Salzstreuer dient.
Was durchaus eine Ehre ist, denn ein Salzfass auf dem Tisch galt „als Statussymbol des Reichtums“, erklärt der niederländische Philologe und zeigt auf ein aufgeschlagenes Buch von 1791. Darin ist von der Saliera die Rede, einem prunkvollen Salzfass aus Gold, das der Goldschmied Benvenuto Cellini 1540 bis 1543 anfertigte. So wollte er für den König das „weiße Gold“ würdig inszenieren.
Wären die vielen Anekdoten, die Hans Beelen rund um die ausgestellten Drucke zu erzählen weiß, Kristalle, käme eine ordentliche Prise Salz zusammen, die manchmal Gold wert sein kann. Das weiß man nicht erst seit dem vergangenen Winter, als Salz auf vereisten Straßen zur Mangelware wurde.
Salz ist ein Multitalent. Es entfernt nicht nur Rotweinflecke, sondern säubert auch Messinggefäße und dient vorzüglich als Peeling. Es heilt, treibt technische Entwicklungen voran und ist in der chemischen Industrie nicht wegzudenken. Was Salz sonst noch alles kann, ohne die Suppe zu verderben, ist auf kleinen Kärtchen zu lesen. Ebenso Sprichwörter wie beispielsweise dieses alte russische: „Ohne Salz ist das Leben nicht süß.“
Äußerst armselig und bitter wäre treffender. „Es war lebensnotwendig“, bekräftigt der Kurator der Ausstellung und zeigt auf ein Bild, auf dem das Einsalzen von Thunfisch in Spanien dargestellt wird. „Salz bedeutete Wohlstand, es war ein Machtfaktor“, sagt Beelen: „Ohne Salz keine Zivilisation“.
Und ohne Salz kein Spaß, wie eine andere Zeichnung vermuten lässt, auf der Frauen das werte Hinterteil eines Herrn mit Salz einreiben. „Eine Art Viagra des Mittelalters“, scherzt Beelen und erzählt von vielen weiteren symbolischen Bedeutungen. Wie etwa der, dass Salz mit der Kraft der Vernunft lustvolle Gedanken vertreibe – oder Nacktschnecken.
