• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ausstellung: Schonungslose Offenheit im Bild

08.02.2020

Oldenburg Sensationell geht anders: Eine Backsteinwand. Ein Windrad. Wimpel. Trecker. Ein Pferd. Selbst den Porträts der Knaben, mit denen der Flyer wirbt, fehlt alles Spektakuläre. Auch der Titel der Ausstellung lautet karg und knapp „Heidi Specker. Damme“.

Die Heidi Specker? Genau. Die Gewinnerin des European Photography Award, des ars viva- und des Deutschen Fotopreises, Stipendiatin der Villa Massimo, Professorin in Leipzig, eine der wichtigsten deutschen Fotografinnen der Gegenwart. Der Oldenburger Kunstverein huldigt ihr bis zum 19. April mit einer 70 Exponate umfassenden Schau, die ihr gesamtes Oeuvre abdeckt, die Themen Landschaft und Industrie, Religion und Musik, Tier und Mensch eingeschlossen.

Specker, 1962 im südoldenburgischen Damme geboren, in den Neunzigern bekannt geworden durch Architektur-Fotografien, hat Oldenburg vor 10 Jahren die 15-teilige Serie „i.O.“ („in Oldenburg“) gewidmet, die jetzt, beeindruckend gehängt, die Wände im zentralen Kubus füllt.

Die 55 Arbeiten ringsum sind eigens für diese Ausstellung vor Ort in Damme neu entstanden, Bilder auf frei atmenden Fotopapieren in den Formaten A4 bis respektablen 120 x 180 cm, die kleineren gern zu Vierergruppen, größere zu Fünfer-, Sechserreihungen kombiniert.

Kein Thema, kaum ein Motiv steht für sich allein. Dem Knabenpaar sind Mädchenpaare beigesellt, Antlitz begegnet Antlitz, Flagge Flagge. Ein Pferd erscheint einmal in der Totalen, dann ausschnittsweise. Speckers Sequenzialität umzingelt das Objekt ihrer künstlerischen Begierde, ohne dessen Kern zu entblößen. Selbst die großen Porträts entbergen, Speckers Kunst der Näherung sei Dank, nicht ihr Geheimnis.

Wie blickt der Abgebildete? Auf keinen Fall pathetisch. Blickt er feierlich, fromm oder verlegen? Aller Schärfe des Blicks, aller Brillanz der Aufnahme, aller Delikatesse der Farben zum Trotz: die Antwort bleibt, von Specker respektiert, im Ungefähren, und so künden ihre Fotos, kunstvoll zurückgenommen, von der schönen schnöden Gewöhnlichkeit der kleinen täglichen Leben. Also von uns allen.

„2019 fahre ich einen Sommer lang nach Damme“, verrät die Künstlerin. „Ich laufe alte Wege und Felder ab, lasse mich treiben. Das habe ich als Kind in den endlosen Sommern auch getan; eine Selbstvergewisserung“ – es ist ihre Offenheit, die die Werke adelt.

Man ist gut beraten, Speckers Bilder mehrfach auf sich wirken zu lassen. Oft erst im quasi sequenziellen Betrachten, beim dritten, vierten Blick, tun sich neue Abgründe auf, zeigen sich kostbare Details und ungeahnte Bezüge. Zuweilen aber rückt der Poetin des Nüchternen ein echter Knaller vor den Sucher.

Dann mutieren Unterteile tanzender Jungmenschen zur dynamisch pulsierenden Modenschau, und eine simpel mit Papier und Schere gebastelte Maske vorm Gesicht erhöht die Trägerin zur wahren Voodoo-Queen.


  www.oldenburger-kunstverein.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.