OLDENBURG - Auf den ersten Blick faszinieren die Farben: Die ganze Palette der Toskana von sattem Rot, gebranntem Siena bis hin zu den Blütentönen der Zucchini, die in Brigitte Riesebrodts Garten in Radda blühen. Dort in Italien lebt die Künstlerin im Sommer. Den Winter verbringt sie mit ihrem Mann, einem Soziologen, und ihrem 22-jährigen Sohn in Chicago. Und mindestens viermal im Jahr kommt die Künstlerin nach Oldenburg, um die 97-jährige Mutter zu besuchen.

An der Ofener Straße hat sie ihre Kindheit verbracht und die Liebfrauenschule besucht. Schon früh wusste Brigitte Riesebrodt (61), dass sie am liebsten Kunst studieren würde. Doch zunächst machte sie einen Umweg über ein Pädagogik- und Psychologiestudium in Heidelberg, was sich als glückliche Fügung erwies, da sie dort ihren Ehemann kennenlernte.

Beide zogen nach München, wo sie an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Sturm Malerei studierte. Eine schöne Zeit damals in Schwabing, sagt sie. „Heute wäre mir München zu eng.“

Derzeit wird ihr Atelier in Berlin renoviert. Dorthin wird die Familie umziehen. Die Chicagoer Wohnung in einem Queen-Anne-Haus aufzulösen, wird eine Herausforderung für eine Künstlerin wie Brigitte Riesebrodt. Denn auf den zweiten, dritten und vierten Blick finden sich in ihren pastosen Bildern und Collagen immer Entdeckungen: zarte Krakelees im Hintergrund aus alten Büchern, deren Seiten oder Buchrücken sie respektlos zerschneidet und neu zusammenfügt zu vielschichtigen Erinnerungen und Spuren unter der Oberfläche. In der aktuellen Ausstellung, die an diesem Sonnabend um 17 Uhr in der Galerie Kunstück eröffnet wird, findet sich etliches aus der wissenschaftlichen Bibliothek der Universität Chicago. „Die vergilbten Werke wurden verschenkt am letzten Tag eines Flohmarkts“, erzählt sie.

Viele solcher Trouvaillen müssen also sortiert und für den Umzug nach Berlin verpackt werden. Es gibt aber auch Postsäcke und andere Fundstücke, die in den Werken auftauchen. Zum Beispiel gebogene Fassbretter. Diese sogenannten Dauben hat sie durch Zufall entdeckt, als sie Freunde in der Toskana besuchte und ein zerfallenes Fass sah. Viele Schichten von Pigmenten werden aufgebracht, mit Hackklopfern traktiert, abgekratzt und zentimeterweise wieder gefärbt, bis die Dauben zu magischen Stäben werden, im Innern getränkt von Rotwein. Mit Pinseln arbeitet sie nie.

Eingeschlichen in die erdigen Töne der Toskana hat sich helles und sattes Moosgrün auf einem der Bilder. „Vielleicht das norddeutscheste“, sagt sie. Bei drei Wohnorten, wo gibt es Heimatgefühle? „Ich bin ein norddeutscher Mensch.“ Brigitte Riesebrodts Kunst ist international gefragt, Ausstellungen waren zu sehen in Kanada, Mexiko, USA, Deutschland und Italien .