OLDENBURG - In der ersten Ausstellung nach dem Krieg wurden in einer Buchhandlung am Oldenburger Schlossplatz Bilder von Alfred Bruns (1907–1974) gezeigt. Viele Leute drängten sich vor dem Schaufenster und waren wütend. Die Werke entsprachen nicht der Doktrin der gerade vergangenen Epoche.

Die wenigen Bilder und Drucke, die vor dieser Ausstellung im NWZ -Foyer entstanden sind, zeigen im Aquarell einen stillen, fast sachlichen Blick auf eine Ruine, in deren Umfeld die Häuser aber erhalten blieben. Im Holzschnitt ist dagegen eine kühne Verteilung von Schwarz und Weiß und eine spannende Kontur des Mädchens zu sehen, das einen weißen Hund hält. Für 1938 war das eine eigenwillige Komposition, ganz entgegengesetzt zum Wunschbild damaliger Behörden.

Die ersten Arbeiten nach dem Kriege verzichteten auf jede Sensation, sie befassten sich mit dem Alltag und zeigten Ausschnitte etwa aus Wilhelmshaven 1948, die niemand sonst bemerkt hatte: Eine Passage zwischen zwei Bürgersteigen zu einem Häuschen, flankiert von zwei Laternen, angelehnt an das Wasser des Jadebusens. Ähnlich schlicht ist das Krankenzimmer gemalt mit drei Schwestern und einer Transfusionsanlage als Blickfang.

Solche Bilder haben Alfred Bruns die Bezeichnung „naiv“ eingebracht, weil geglaubt wurde, dass in ihnen etwas von den französischen Naiven eingegangen sei. Wahrscheinlicher ist, dass Alfred Bruns eine Forderung des „Sozialistischen Realismus“ umsetzen wollte – einfach für das Volk zu malen. Seine spätere Vorliebe für Hafenmotive, für Technik und Fischernetze in Jesolo liegt auf derselben Linie.

Alfred Bruns hatte es bis dahin nicht leicht gehabt – die Verarmung in der Inflation, eine Lehre als Maler statt eines Studiums, das ständige Hintenanstellen der Kunst im Alltag haben ihn aufmerksam gemacht für gesellschaftliche Fragen. Er nahm aktiv an der Oldenburger Szene teil; den Bund bildender Künstler hob er mit aus der Taufe, mit der Wilhelmshavener Gruppe „Der Keil“ hatte er 1947 bis 1949 Ausstellungen über die nationalen Grenzen hinaus.

Er war einer der eifrigsten Ausstellungsbesucher und stets zur Diskussion bereit. Das verschaffte ihm Anerkennung und Förderung durch den Kunstverein, der Galerie Centro und eine große Retrospektive im Stadtmuseum, das viele wichtige Bilder gesammelt hat. Die kleine Ausstellung in der NWZ -Galerie belegt, dass er weniger ein naiver als ein raffinierter Maler war, der Einfachheit vorgab, um dann in Farben und Motiven das Besondere des Alltags, die Ordnung im Zufälligen aufzuzeigen.

Die Ausstellung ist bis Ende Juli zu sehen.