OLDENBURG - Der Gag ist der „Oberförster des Bösen“: der Künstler selbst als sein eigener Filmheld mit Kutte, animistischem Geweih und sinistrer Miene, beim Mischen magischer schwarzer Karten. Im Video daneben kehrt er dann wieder – als blaustichig verunklarter Schemen, Menetekel und Finale einer Hetzjagd mit Aktenkoffer durch die Flure einer Bank.
Ja, „Silencio“ von Björn Dahlem, die Schau im Oldenburger Kunstverein, verhandelt auch Schwarze Kunst, jenes Wunder der Wandlung, das etwa Dreck zu Gold werden lässt. Dann wäre der Handel mit Derivaten oder Warenterminoptionen nichts als Schwarze Kunst, ein dubioses Spiel mysteriöser Magier?
Für Dahlem, geboren 1974 in München, Studium in Düsseldorf, seit 1999 mit seinen Werken weltweit präsent und derzeit Gastprofessor in Berlin, für Dahlem also ist das nur eine Frage von vielen. Schon 2003, als „Silencio“ in einer Londoner Bank erstmals gezeigt wurde, verwahrte er sich gegen die kurzschlüssige Vereinnahmung durch Kapitalismuskritiker.
Tatsächlich eröffnet die Verpflanzung an einen neutralen, durch die Allüre des subversiven Witzes weniger überlagerten Ort eine umfassendere Sicht auf ein komplexes Werk an der Nahtstelle von Bildhauerei, Installation und Film.
In Oldenburg präsentiert sich Dahlem zunächst als Raumpoet, der mit sparsamen Mitteln Leere zum Schwingen zu bringen versteht. Drei Gebilde zergliedern die abgeteilte vordere Hälfte der Halle: ein weißer kantiger Körper aus Fünfecken, ein polygonales Konstrukt aus Dachlatten und Neonröhren, eine Vitrine, unter deren Plexiglasdeckel eine Kreuzung von Samowar, Sechziger-Jahre-Zimmerantenne und Alpkristallen allerliebst stumme Signale in ferne Galaxien sendet.
Der Gang durch dunkle Flure bringt einen dem Lichtschein der Videos entgegen, dem zarten Zucken von stummem Wind bewegter Blätter, den Streifen mit Kartenlegern und Bankenflüchtern. Eine Wand wird ausgefüllt durch das Bild eines Trafohäuschens nebst Mast, und auf einmal ist sie da, die Idee, der Mast gehöre zu einer Sendeanlage, die Nachrichten funke zur Samowarantenne da draußen.
Dahlem ist ein Meister solch magischer Bezüge. Und so fällt einem irgendwann auf, dass alle Videos zusammenhängen irgendwie, verlinkt durch Blackouts und schwarze Löcher, Zauberer und Ziffern.
Dahlems Vater war Physiker, Töpferin die Mutter. Dass Naturwissenschaft und Kunst als Versuche, der Welt und ihrer Rätsel habhaft zu werden, beide scheitern, ist vielleicht Dahlems eigentliches Thema. „Silencio“ inszeniert es erhaben schön, leicht und gescheit.
