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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Autografen: Briefe als Spiegel der Seele

05.10.2019

Oldenburg Der von Hand geschriebene Brief, der auf die Papyri des Alten Ägypten zurückreicht, besitzt im vom Smartphone und Laptop dominierten digitalen Zeitalter Seltenheitswert. Dabei kann sich kaum jemand dem Reiz des Handgeschriebenen entziehen, zumal der Akt des Schreibens Einblicke in die mentale Situation des Autors geben und als Spiegel der Seele gedeutet werden kann. Besondere Ausdruckskraft besitzen die oft kunstvoll gestalteten Künstlerkorrespondenzen, die auch in den Sammlungen des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg einen besonderen Stellenwert einnehmen.

Ein bemerkenswerter Bestand an sogenannten Autografen gelangte im Juni 1964 mit dem Ankauf der Grafiksammlung Lieber ans Landesmuseum, der neben Briefen von Käthe Kollwitz, Arvid Fougstedt und Albert Klesse auch Schreiben des sächsischen Malers und Graphikers Hans Richard Heinmann (1875–1947) an das Sammlerehepaar Gertrud und Friedrich Lieber enthält. Der in Gardelegen in Sachsen-Anhalt geborene Heinmann studierte Malerei in Dresden und siedelte 1908 in die osterzgebirgische Kleinstadt Altenberg um. Hier lebten zu dieser Zeit auch die Liebers, die schon früh mit dem Sammeln grafischer Kunst begonnen hatten und in besonderem Maße an sächsischen Positionen des 19. und 20. Jahrhunderts interessiert waren. So verwundert es nicht, dass sie mit ihrem Nachbarn Heinmann einen engen Kontakt pflegten, der auch nach ihrem Umzug 1920 nach Leipzig Bestand hatte. Neben gegenseitigen Besuchen spielte insbesondere die Korrespondenz zwischen dem Künstler und dem Ehepaar eine wesentliche Rolle.

So schickte Heinmann am 13. Mai 1935 den hier vorgestellten zweiseitigen Brief an den „Herrn Oberlehrer Lieber“, dessen Kopf eine aquarellierte Bleistiftzeichnung mit zwei Wanderern in einer Gebirgslandschaft und den handgeschriebenen Zeilen „Es zogen zwei Burschen ins Böhmerland – der eine war a Maler, der andere a Musikant“ ziert. Der persönliche Wortlaut des Briefes lässt auf die gegenseitige Wertschätzung und eine gewisse Vertrautheit schließen. Allerdings ruft die Intimität der Information, dass Heinmann seinen 60. Geburtstag allein und trinkend begangen hat, bei dem unbeteiligten Leser unweigerlich das Gefühl der Beklemmung hervor – und Scham darüber, als Außenstehender dieses persönliche Eingeständnis von Einsamkeit mitzuerleben.

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