Oldenburg - Mit gleich drei Uraufführungen präsentiert sich das Ensemble der Ballett-Compagnie Oldenburg bei seinem Einstieg in die Spielzeit 2019/2020. Zwei der Choreografien werden zusätzlich noch durch musikalische Uraufführungen begleitet. Dramaturgin Telse Hahmann berichtet, dass diese geballte Ladung an neuem Material eine Herausforderung für die Compagnie ist: „Bei einem Stück, bei dem der ‚choreografische Text‘ schon bekannt ist, weiß man immer genau, was und wie viel man noch einstudieren muss. Das haben wir diesmal nicht, da die Choreografien noch in der Entstehung sind. Das ist eine aufregende Zeit für uns.“

Spannend ist auch für die Tänzerinnen, Tänzer und alle Beteiligten, dass hier drei gänzlich unterschiedliche Stücke zur Aufführung kommen, sowohl musikalisch als auch stilistisch im Tanz und inhaltlich.

Den Anfang macht die Choreografie „Quantum Leap“ (dt. Quantensprung) des Ensemblemitglieds Lester René, der vor zwei Jahren mit „From the Lighthouse“ sein Debüt als Choreograf gegeben hat. Musikalisch wird er wieder von Komponist Johann Pätzold begleitet. Rein inhaltlich beschäftigt sich Lester Renés Choreografie mit psychischen Extremsituationen. Wie ist es, wenn man die eigenen Gefühle oder das eigene Handeln nicht mehr wiedererkennt? Unterstützt wird diese Frage durch Videoprojektionen von Christian Pulkenat, die sowohl Bühne als auch Tänzerinnen und Tänzer in Szene setzen.

Hae-Kyung Lee nimmt in ihrer Choreografie „Pierrot Lunaire“ Bezug auf den gleichnamigen Gedichtzyklus von Albert Giraud. Ihren zeitgenössischen Tanzstil verknüpft sie dafür mit dem traditionellen koreanischen Tanz. Lees Ehemann Myung-Whun Choi ist Komponist und hat die Musik für das Stück beigesteuert. Er hat eine Fusion zwischen westlichen Instrumenten und Klängen auf der einen Seite und traditionellen koreanischen Instrumenten auf der anderen Seite geschaffen.

Den Abend beschließt Ballettdirektor Antoine Jully mit seiner Kreation „An den Ufern des Sees“. Er hat auf ein Musikstück von 1948 zur Begleitung seiner Choreografie zurückgegriffen, nämlich das „Konzert für Kontrabass und Orchester“ von Eduard Tubin.

Das Thema seines Tanzes ist die Vielfalt des Wassers. „Wasser in seiner unglaublichen Beweglichkeit passt einfach gut zu Tanz“, findet Dramaturgin Hahmann. „Es unterliegt ständiger Veränderung. Mal kann es durchsichtig oder trübe sein, stark gewellt oder spiegelglatt. Unter und auf dem Wasser sieht man viele Tiere oder auch Menschen.“ Schließlich wurde Jully auch von Paul Cézannes Bilderserie „Die Badenden“ inspiriert. Weitere berühmte Kunstwerke lieferten die Inspiration für die Farbgestaltung der Kostüme, deren Entwurf Jully ebenfalls übernommen hat: Die Seerosenbilder von Claude Monet. Seine moderne Tanzsprache kombiniert Jully mit Spitzentanz.