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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Aus dem Dunkel ins Licht des Jubiläums

13.06.2019

Oldenburg In der Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung – Das Bauhaus in Oldenburg“ im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte geht es vor allem um fünf Bauhäusler aus der Region: Hans Martin Fricke, Hin Bredendieck, Karl Schwoon, Hermann Gautel und Margarete Willers. In mehrjähriger Forschungsarbeit wurde den exemplarischen Lebenswegen nachgespürt und ihre Bauhaus-Geschichten sichtbar gemacht.

Ausstellung bis zum 4. August geöffnet

Die Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung. Das Bauhaus in Oldenburg“ ist noch bis zum 4. August im Oldenburger Augusteum (Elisabethstraße 1) zu sehen. Ausgestelltsind auch Meisterwerke der Bauhaus-Künstler Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10–18 Uhr.

Trotz zahlreicher Entdeckungen konnte die Ausstellung aber nicht alle Bauhäusler aus dem Nordwesten in den Fokus rücken. Zu Recht wurde etwa auf Hans Troschel (1899–1979) hingewiesen, der von 1919 bis 1920 am Bauhaus Weimar studiert hatte und 1954 aus albanischer Gefangenschaft ins Oldenburger Land kam.

Kohlenkeller in Dessau

Als viele Schüler inspirierender Kunstlehrer wirkte Troschel in Ahlhorn und Cloppenburg. In der Ausstellung im Augusteum ist er mit einem seltenen großformatigen Holzschnitt aus seiner Inferno-Mappe vertreten, der an den Schrecken des Ersten Weltkriegs erinnert. Auch auf den Oldenburger Architekten Burkhard Grashorn (1940– 2017), der 1995 eine Professur an der Bauhaus-Universität Weimar erhielt, wurde hingewiesen.

Doch gibt es weitere Bauhäusler aus der Region, deren Geschichten noch nahezu unbekannt sind: Da wäre zum Beispiel der 1907 in Bad Zwischenahn geborene Milon Harms, der das Bauhaus Dessau nur kurze Zeit besuchte. Sein Sohn erinnert sich, dass Harms zu wenig Geld hatte, um sich ein Zimmer in Dessau leisten zu können, sodass der Hausmeister den jungen Studenten im Kohlenkeller des Bauhaus-Gebäudes übernachten ließ.

Bauhaus-Geschichte haben weniger seine Werke geschrieben, berühmt wurde das faszinierende Porträtfoto, das sein Kommilitone Werner David Feist von ihm gemacht hat. In Oldenburg war Milon Harms vor seiner Bauhaus-Zeit als Grafiker am Werkhaus tätig, wo er zeitgleich mit Gautel und Schwoon eingeschrieben war.

Der in Litauen geborene Vladas Švipas (1900–1965) besuchte das Bauhaus von 1924 bis 1928. Er unterbrach sein Studium, um Unterricht an der Oldenburger Ingenieur-Akademie zu nehmen, wo auch Hans Martin Fricke seine Ausbildung zum Architekten absolvierte.

Der im thüringischen Wernshausen geborene Johannes Karl Herrmann (1893– 1962) kam in den 1950er Jahren als DDR-Flüchtling nach Oldenburg. 1919 hatte er zu den ersten Studenten des Bauhauses in Weimar gehört. Seine farbstarken, dynamischen Linolschnitte, die er 1919 und 1920 für Bucheinbände schuf und die nun im Augusteum zu sehen sind, stammen aus dem Nachlass des Museumsdirektors Walter Müller-Wulckow.

Auf dem Dachboden der Tochter des Künstlers in der Oldenburger Teichstraße fanden sich unverhofft weitere Holz- und Linolschnitte aus den ersten Jahren des Bauhauses in Weimar, die das Landesmuseum vor Kurzem erwerben konnte und die nun in der Ausstellung erstmals gezeigt werden.

Wenn sich im Laufe der Vorbereitung der Jubiläumsausstellung auch viele Biografien rekonstruieren ließen, so blieben doch manche Lebensläufe im Dunkeln: So wurden über die 1912 in Wilhelmshaven geborene Elisabeth Ahrens, die von 1929 bis 1932 am Bauhaus studiert hatte und somit zur selben Zeit wie der Bauhäusler Fritz Tschaschnig, der 1904 in Apen geboren wurde, nur wenige Informationen gefunden. Auch Wolfram Guericke soll – laut den Dessauer Matrikelunterlagen – aus dem ehemaligen Großherzogtum Oldenburg stammen, doch auch über seine Zeit am Bauhaus (1932) sind bislang keine weiteren Details bekannt.

Bauhaus-Impuls

Wenn man den Radius über das Oldenburger Land ausdehnt, stößt man zudem auf die in Bremerhaven geborene Elisabeth Kadow (1906– 1979), die von 1924 bis 1925 das Bauhaus in Weimar besuchte. Sie wirkte später als einflussreiche Textilkünstlerin und Pädagogin an der Textilingenieurschule Krefeld, wo sie ab 1958 die Leitung einer Meisterklasse innehatte. Der in Bremen geborene Bauhäusler Heinz Borchers (1898–1978), der von 1919 bis 1922 unter Lyonel Feininger und Johannes Itten am Bauhaus Weimar studierte, begann nach der Vorlehre eine Ausbildung in der Tischlerwerkstatt. Seinen beruflichen Weg setzte er als Möbelentwerfer für einen Bremer Innenausstatter fort, bevor er seinen Schwerpunkt auf den Bereich der Reklame verlagerte und unter anderem als Leiter der Werbeabteilung der Nordwolle Delmenhorst tätig war.

Die zahllosen Geschichten zeigen, wie sich der Bauhaus-Impuls von Weimar, Dessau und Berlin aus verbreitete. Es war also nicht nur „Lotte am Bauhaus“, so der Titel des kürzlich ausgestrahlten ARD-Spielfilms zum Bauhausjubiläum. Ihre Kommilitonen aus dem Nordwesten hießen zum Beispiel Hans, Hermann, Hin, Karl, Milon, Heinz oder Elisabeth.

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