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Beatmusik Trommelwirbel im „Töff-Töff“

Klaus Fricke

OLDENBURG - Schlagzeuger, so sagt man, haben’s schwer in einer Rockband. Sie sitzen immer hinten, sollen witzig sein (Vorbild Ringo Starr) und haben nach dem Konzert die meisten Dinge einzupacken. Kurz: Gitarristen oder Sänger haben es besser.

(Viele) Ausnahmen bestätigen diese Regel natürlich. Eine davon kommt aus England, heißt Mike Wells, war einst Drummer der Beatband „The Twilights“ – und hat mit seinen drei Freunden zwischen 1964 und 1966 Oldenburg, Wilhelmshaven und Norddeich unsicher gemacht. Über seine Lehrjahre als 19-jähriger Profimusiker hat Mike (damals Mick) Wells jetzt ein Buch geschrieben und ist endgültig aus dem Schatten der anderen Twilights herausgetreten.

Der Schlagzeuger nutzte seinen Vorteil gegenüber den Kollegen: den Führerschein. „Ich musste den Bus steuern und durfte nie so viel trinken wie die anderen“, grinst der heute 65-Jährige. Man mag das mit der Nüchternheit glauben oder auch nicht – Fakt ist, dass Wells sein Buch „A 60’s Drummer“ (Isensee-Verlag, 130 Seiten, 9.80 Euro) vollgepackt hat mit intimen Details, Erinnerungen und Anekdoten aus dem Oldenburg von vor knapp 50 Jahren, die im benebelten Kopf kaum die Zeit überlebt hätten.

Schmackhafte Frikadelle

„Alles war neu für uns, damals. Wir konnten kein Wort Deutsch und hörten erstmals Ausdrücke wie Einbahnstraße oder Kartoffelsalat“, erzählt Wells. Er trommelte mit den Twilights in Oldenburger Clubs mit für ihn unaussprechlichen Namen wie „Löwenbräu“ und „Töff-Töff“ (heute „Loft“ und „Cesar“), entdeckte den Liebreiz der hiesigen Damenwelt und den Geschmack der ihm unbekannten Frikadelle. „Oldenburg war eben größer als Wilhelmshaven oder Norddeich, das merkten sogar wir Jünglinge aus England.“

Als Musiker interessierte ihn vor allem die regelmäßige Gage. „In England gab es nur Ein-Tages-Engagement“, erinnert sich Wells. „In Oldenburg und den anderen deutschen Städten unterschrieben wir dagegen Monatsverträge mit festen Auftrittszeiten und einer vergleichsweise hohen Bezahlung“ – auch wenn das bisweilen „acht Tage die Woche arbeiten“, bedeutete. Da spricht eben der Drummer, der seine Instrumente nur ungern ständig auf- und abbaut.

Englische Bands waren in jenen Tagen eine Sensation, die die Massen anzogen. Gespielt wurde das aktuelle Repertoire der Hitparade, Beatles, Stones, Who und Kinks, aber auch Rock’n’Roll und Schlager hörte man gern. „Vielseitigkeit war gefragt bei Clubbesitzern und Gästen“, so Wells, „im Radio wurde ja kein Beat oder Rock gespielt.“

So war es verständlich, dass die Twilights, die gute Kontakte zu den Oldenburger Four Kings pflegten, Aufsehen erregten, wo sie hinkamen. „Ich kann mich noch gut an die Band erinnern, damals in diesem vornehmen ,Töff- Töff’“, sagt eine Frau, die der Lesung aus dem Buch am Donnerstagabend in der Buchhandlung Isensee zuhörte.

Musik für Claptons Auto

Diese Frau wie die vielen anderen Besucher der Lesung mit Musik profitierte davon, dass Mike Wells seinem Freund Mike Friston die Geschichte der Twilights in Norddeutschland während einer Autofahrt erzählte – Friston hatte ihn sogleich bedrängt, die Erinnerungen aufzuschreiben. Was der gelernte Automechaniker Wells, der jahrelang eine von Popgrößen wie Elton John, Eric Clapton und Rod Steward bevorzugte Werkstatt für Car-HiFi betrieb, umgehend tat. Und dass sein Erstling sofort übersetzt wurde und nicht erst in der Heimat erschienen ist, hat – neben der Thematik – noch einen speziellen Grund: „Ich mag die Oldenburger, das sind offene Leute. Viel besser als in den anderen Städten, in denen wir spielten.“

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