OLDENBURG/BERLIN - Es gibt Buchtitel, die geradezu sprichwörtlich werden, sodass sie am Ende fast jeder kennt und genüsslich zitiert. „Die Entdeckung der Langsamkeit“, 1983 erschienen, ist so ein Buchtitel. Geschrieben hat den fulminanten Roman der deutsche Autor Sten Nadolny. Am 14. Mai kommt der Verfasser des Bestsellers nun zu einer Lesung nach Oldenburg.

Der vor allem in Berlin lebende Autor stellt sich und sein Werk am 14. Mai ab 20 Uhr im Oldenburger Kulturzentrum PFL an der Peterstraße vor. Er liest in der NWZ -Reihe „Begegnungen“. Karten gibt es ab sofort in allen NWZ -Geschäftsstellen. Sie kosten sechs Euro, ermäßigt drei Euro.

Sten Nadolny wurde am 29. Juli 1942 in Zehdenick an der Havel geboren. Er musste fast zwangsläufig Autor werden, schließlich entstammt er einer Schriftstellerfamilie: Seine Mutter Isabella (1917– 2004) schrieb Frauen- und Familienromane, der Vater Burkhard (1905–1968) war Romancier. Der Sohn wuchs in Oberbayern auf, studierte in Göttingen, Tübingen und Berlin. Er promovierte mit einer Arbeit über die Weimarer Republik, schlug sich als Taxifahrer durch, war Geschichtslehrer und Aufnahmeleiter bei Film und Fernsehen.

1981 veröffentlichte er seinen Roman „Netzkarte“. Der erzählt die Geschichte von Ole Reuters Bahn-Reise ohne Ziel durch die Republik – ein äußerst lesenswerter Ausbruchsversuch. 1983 folgte dann die berühmte „Entdeckung der Langsamkeit“. Nadolny schildert darin die Geschichte des britischen Seeoffiziers und Entdeckers John Franklin, der ein langsamer Mensch ist. Der Schnelllebigkeit und dem Leistungsanspruch der Moderne wird die Langsamkeit als humanitäres und gutes Lebensgefühl entgegengesetzt. Der Roman erzielte riesige Auflagen und wurde in alle Weltsprachen übersetzt.

„Selim oder Die Gabe der Rede“, „Ein Gott der Frechheit“, „Er oder Ich“ oder der „Ullsteinroman“ – die Familiengeschichte des Verlags – sind weitere, sehr erfolgreiche Bücher Nadolnys. Zuletzt erschien, zusammen mit Jens Sparschuh geschrieben, „Putz- und Flickstunde“.

Nadolny ist oft geehrt worden, darunter mit dem Hans-Fallada-Preis. Die Ingeborg-Bachmann-Auszeichnung erhielt er 1980 – er hatte die kritische Jury in Klagenfurt restlos begeistert. Aber er blieb sich treu: Er dachte und handelte anders als die anderen. Er teilte die Preissumme unter seinen teilnehmenden Kollegen auf. Seine Solidarität begründete er mit dem „schädlichen Wettbewerbscharakter“ der Veranstaltung.

Auf die Lesung dieses Autors am 14. Mai in der Reihe der NWZ -„Begegnungen“ darf man gewiss gespannt sein.