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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Die Kunst der Gäste

25.01.2019

Oldenburg Denken Sie mal zehn Sekunden an die Zukunft. Sie lächeln? Ein schlauer Dichter hat mal gesagt: Optimismus ist nur ein Mangel an Information. Die meisten Menschen, die das Berliner Künstlerduo Nina Fischer und Maroan el Sani eingefangen hat, gucken skeptisch bis ernst, manche ängstlich in die Zukunft. Die zufällig ausgewählten Männer und Frauen sind in stummen Filmaufnahmen zu sehen, die auf zwei Bildschirmen im Oldenburger Edith-Russ-Haus für Medienkunst gezeigt werden. Nur Mimik, nur Augenspiel, kaum Bewegung –- faszinierend. Das Werk ist ab Donnerstag in einer Schau des international bekannten Künstler-Duos zu besichtigen.

Nina Fischer wurde 1965 in Emden geboren, Maroan el Sani 1966 in Duisburg. Beide arbeiten seit 1993 zusammen. Die Foto- und Video-Schau heißt „The Active Guest“, und tatsächlich sind beide viel in der Welt unterwegs. Nie möchten sie Touristen sein, dort wo sie arbeiten, wohnen sie auch länger. Sie haben einen Faible für das Besondere und für urbane Orte mit Geschichte. In einem „Projekt“, mit diesem Plastikwort werden gern mal künstlerische Arbeiten bezeichnet, haben sie in Videos eine verlassene japanische Insel erkundet. Wer den James-Bond-Film „Skyfall“ gesehen hat, kennt dieses kuriose, unbewohnte Eiland: Großstadtarchitektur, die langsam verfällt, Natur, die auf sechs Hektar wieder in Gebäude kriecht. Die beiden Künstler haben das Innere und die Ufer von Hashima erkundet. 5000 Menschen haben da mal dicht an dicht gewohnt, Kohle wurde im Meer abgebaut. Bis sich das nicht mehr lohnte. 1974 lebte keiner mehr dort.

Eröffnung an diesem Mittwoch

Werke von Nina Fischer & Maroan el Sani sind vom 31. Januar bis zum 31. März unter dem Titel „The Active Guest“ (Der aktive Gast) im Oldenburger Edith-Russ-Haus für Medienkunst (Katharinenstraße 23) zu besichtigen. Eröffnet wird die Schau an diesem Mittwoch um 19 Uhr.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14–18 Uhr, samstags, sonntags 11–18 Uhr.

Belastete Architektur hat es den beiden Künstlern generell angetan. Auf Leinwänden im großen Saal des Edith-Russ-Hauses präsentieren sie Einblicke in eine von Benito Mussolini geplante, faschistische Modell-Stadt bei Rom. Die Aufnahmen der Prachtbauten werden sinnfällig kontrastiert von jungen Migranten, die singend oder laufend durch die inhumane, jedes vernünftige menschliche Maß übersteigende Architektur wandeln. In einem anderen Video hetzen die Künstler einen Schauspieler in Amsterdam über eine Sicherheits- und Feuertreppe auf ein Hochhaus. Der arme Kerl scheint im Albtraum gefangen. Die metallenen Außentreppen nehmen kein Ende, die ganze Architektur wirkt kalt – und ist es auch. Dagegen erscheint der Palast der Republik, von den beiden witzig PDR genannt, geradezu gemütlich. Tatsächlich war Erichs Lampenladen ja von außen und aus der Ferne ein kurioses DDR-Kleinod. Nina Fischer und Maroan el Sani haben das Ostberliner Gebäude nach der Wende bis 2009 von allen Seiten und auch die Umbauten und den Abbruch eingefangen – bis nur noch eine Sandfläche von einem untergegangenen Staat kündet. So wirkt die Fotoreihe wie eine sich dauernd verändernde Skulptur. Nicht nur diese künstlerisch-historische Arbeit ist präzise und sinnreich – was man nicht oft von Kunst sagen kann.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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