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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Bilanz: Mit Herz und Verstand auf nächster Stufe

30.05.2020

Oldenburg „Wenn man irgendwann die Geschichte der Museen schreibt, wird dieses Datum vorkommen müssen.“

Prof. Dr. Rainer Stamm ist zwar selbstbewusst genug, aber nicht größenwahnsinnig, deshalb nimmt seine Aussage Bezug auf die Corona-Pandemie – und nicht auf seinen Amtsantritt als Direktor des Landesmuseums Oldenburg vor zehn Jahren. Dabei kann sich seine Bilanz seit Mai 2010 absolut sehen lassen.

Da in dieser Krisenzeit alles verzerrt daherkommt, bietet sich als Feiergrund dieser Tage allein schon die Wiedereröffnung seiner drei Häuser Schloss, Augusteum und Prinzenpalais an. Zudem ist nach langer Verzögerung die umfangreiche Ausstellung „Franz Radziwill – 125 Werke zum 125. Geburtstag“ zu bewundern, was dieser Tage auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ würdigte.

Man darf es wohl als das „gewisse Händchen“ bezeichnen, das Stamm auszeichnet. Seine Strategie wird deutlich, wenn man die aktuelle Publikation „2010-2020 – Zehn Jahre Neuerwerbungen“ zur Hand nimmt. Im vergangenen Jahrzehnt wurde nicht wahllos zugekauft, sondern mit Verstand Sammlungen aufgebaut oder sinnvoll ergänzt. Und da dies nicht allein mit Landesmitteln, sondern auch dank Stiftern und Sponsoren gelingen konnte, hat auch viel mit der Integrität des Museumsdirektors zu tun. Zudem wird das Landesmuseum als Forschungsstandort in der Kulturwissenschaft wahrgenommen – zuletzt durch die beachtliche Ausstellung über „Bauhaus im Nordwesten“.

Eine traditionsreiche Einrichtung mit drei historischen Standorten und einer umfangreichen Sammlung zu führen, ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. „Es gibt ja kein Berufsbild ,Museumsdirektor‘. Niemand hat es wirklich gelernt, solch eine Institution zu leiten. Ich bin Kunstpädagoge und habe kunstgeschichtlich promoviert. Aber es ist wichtig, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen“, sagt Stamm über sein Berufsverständnis. „Und ich habe in den vielen Jahren gelernt, dass eine falsche Entscheidung selten wirklich schlimm ist. Sie ist in jedem Fall besser, als sich wegzuducken.“

Seine damalige Entscheidung, als Leiter der Kunstsammlung Böttcherstraße Bremen und des Paula Modersohn-Becker-Museums den Sprung über die Weser zu wagen, hat das Kind des Ruhrgebiets nach eigener Aussage nicht bereut. „Das Bemerkenswerte an Oldenburg ist der große Gemeinsinn. Für mich ist der Begriff ,bürgerlich‘ hier positiv besetzt und wird gelebt. Man kommt gern zusammen: auf dem Wochenmarkt, in Cafés, bei Kulturveranstaltungen“, so Stamms persönlicher Eindruck.

Daraus könne nach außen der Eindruck entstehen, man sei hier lieber für sich. Das hemme bisweilen beim Rest der Republik die Wahrnehmung auf diesen Kulturstandort. „Oldenburg existiert nicht“, musste Stamm in vielen Gesprächen feststellen.

Für die Zukunft wünscht sich Rainer Stamm eine noch größere Schnittmenge im Publikumsinteresse. „Daran werden wir arbeiten: Wer zur World-Press-Photo-Schau kommt, muss wissen wollen, was sich im Landesmuseum sonst noch so tut. Die Neugier ist unser größtes Kapital.“

Prof. Dr. Rainer Stamm(53) ist promovierter Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler. Er hat zahlreiche Beiträge zur Kunst und Literatur der Moderne veröffentlicht. Von 2000 bis 2010 leitete Stamm in Bremen die Kunstsammlung Böttcherstraße/Paula Modersohn-Becker-Museum. Seit Mai 2010 ist der gebürtige Hagener als Nachfolger von Dr. Bernd Küster Direktor des Landesmuseums Oldenburg mit den Häusern Schloss, Prinzenpalais und Augusteum.

Das Buch „2010-2020 – Zehn Jahre Neuerwerbungen“ (Isensee Verlag) dokumentiert auf 167 Seiten Stamms Bilanz. Es ist für 15 Euro erhältlich an den Museumskassen.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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