OLDENBURG/BOCKHORN - Das historische Stück ist eine Kostbarkeit. Jetzt dient es als Zentrum einer Sonderausstellung.

Von Kai Hippen

OLDENBURG/BOCKHORN - Stolz und aufrecht reckt sich das Hemken-Haus am Bockhorner Marktplatz in den blauen Himmel, das säkulare Wahrzeichen der Gemeinde, ein Denkmal für „Soll und Haben“. 1753 war das Haus mit den vielen Lagerböden und tiefen Gewölbekellern erbaut worden, und damals wurde in seiner Diele auch ein Einkaufsladen aufgestellt, der „Bockhorner Laden“, wie er heute nur noch heißt. Er steht im Zentrum der aktuellen museumspädagogischen Sonderausstellung „Zwischen Malz und Seife“ des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte im Oldenburger Schloss (bis zum 3. September). Der Verein für Heimatgeschichte der Gemeinde Bockhorn unter Leitung von Margrit Hayen nahm die Sonderschau zum Anlass, den Laden zu besuchen.

Die Kunsthistorikerin Eva Frömchen-Neddermann führte behutsam in die Geschichte des Bockhorner Ladens ein, und vorsichtig hat man auch zu sein, ist dieser Laden doch etwas ganz Besonderes: „Für ein Dorf wie Bockhorn kostbar, wohl nur noch einer von zwei Läden aus dem 18. Jahrhundert, die es in Deutschland gibt.“ Melchior Hemken (1717 bis 1785) war derjenige aus der langen Reihe der Kaufmannsfamilie Hemken, der den Laden aufstellen ließ. Er unterhielt Handelsbeziehungen bis in den Vorderen Orient und nach Übersee, seine eigenen Schiffe brachten Malz, Roggen und Branntwein in die Häfen von Steinhausersiel und Ellenserdammersiel, mit seinen eigenen Pferdefuhrwerken wurde Wein, Seife und Tran ins Bockhorner Zentrum transportiert. Auf dem Rückweg schleppten die Pferde und Ochsen Klinkersteine, denn auch eine Ziegelei gehörte zum Imperium von Melchior Hemken.

Mittendrin im Hemken-Reich der „Bockhorner Laden“ mit seinen 150 Fächern. Eva Frömmchen-Neddermann: „Auf diesen Schubläden finden wir noch verzeichnet, was damals gehandelt wurde.“ Tabak und Pfeifen, Zucker, süße Mandeln, Schuhwichse und vor allem Spirituosen aller Art, denn trinkfreudig waren viele Bockhorner immer schon. Melchior Hemken hatte die Zeichen der Zeit erkannt und eine eigene Ausschank-Lizenz erworben. Und er verstand etwas von Werbung: Seine Angebote ließ er von der damals wichtigsten Institution öffentlich verlesen, vom Pastor in der benachbarten „St. Cosmas und Damian Kirche“.

Die über 200jährige Geschichte der Hemkens, die nicht nur geschäftstüchtig, sondern auch kunstliebend waren, die Verbindungen mit Dichtern wie Klopstock und Wieland pflegten (einer der ihren las seine Gedichte der Königin Luise von Preußen vor und soll viel Beifall gefunden haben), ging in Bockhorn 1878 dem Ende entgegen. Der Bau der Eisenbahnlinie nach Wilhelmshaven brachte das Imperium ins Wanken. Das Haus am Marktplatz wurde an den Kaufmann Ulrich Hermann Becker verkauft. Der „Bockhorner Laden“ ging um 1920 in den Besitz des Oldenburger Museums über.