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Sonderausstellung „Totenschiff“ macht     in Museum fest

Marco Busch

Oldenburg/Brake - Mit einem solchen Andrang zur Eröffnung einer Sonderausstellung mit einem sehr speziellen Thema hatte wohl kaum einer gerechnet. Rund 80 Personen kamen ins „Haus Borgstede & Becker“, um sich einen ersten Eindruck von den rund 60 Kultobjekten aus der Sammlung des im Mai dieses Jahres verstorbenen Dr. Helmuth Steenken zu verschaffen. Bis zum 29. April ist die Sonderausstellung „Das Totenschiff – Kulturkontakte aus unterschiedlicher Perspektive“ mit Leihgaben des Oldenburger Augenarztes, Ethnologen und Sammlers zu sehen.

Bei den Objekten, die ihren Weg aus dem südpazifischen Raum ins Oldenburger Land gefunden haben, handelt es sich vor allem um Kulturmale der Dajakvölker Borneos. Die zahlreichen Holzfiguren, sogenannte Hampatongs, dienten als Lockmale, Geisterpfähle oder Schreckmale. Wenn die Hampatongs ihren Zweck erfüllt hatten, wurden sie oft in den Wäldern Borneos entsorgt. Einige Einheimische haben diese eingesammelt und zum Verkauf angeboten. Auf diese Weise konnte auch Steenken seine Stücke erwerben.

Beziehung zu Brake

Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch erläuterte die besondere Verbindung der Ausstellung zwischen der Wesermarsch und dem anderen Ende der Welt. Zum einen ist die Geschichte Brakes eng verknüpft mit der Seefahrt. Der Ururgroßvater von Helmuth Steenken, Behrend Hinrich Steenken, war im 19. Jahrhundert Kapitän, Reeder und Werftbesitzer in Brake. Zum anderen ist das „Haus Elsfleth“ des Schifffahrtsmuseums ursprünglich die „Villa Steenken“, das der Arzt Dr. Ludwig Steenken 1890 erbauen ließ.

Den Wunsch von Helmuth Steenken, dass seine Nachfahren die Sammlung in seinem Sinne bewahren und weiterführen sollen, unterstützt das Museum in Form der Sonderausstellung. Die Realisierung der Ausstellung ist vielen Menschen zu verdanken, betonte Dr. Christine Keitsch. Dazu zählen auch die finanzielle Unterstützung, die durch die Landessparkasse zu Oldenburg geleistet worden sei, sowie die zahlreichen Helfer. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung durch Luca Arzaroli, der mit Didgeridoo und Djembe die Gäste beeindruckte.

Einzigartiges Totenschiff

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein prachtvolles Totenschiff, ein Boot, mit dessen Hilfe die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits gelangen. Das ausgestellte Stück ist dabei etwas ganz Besonderes: Es wurde 2002 für Helmuth Steenken von einem der letzten Handwerker, die die Kunst des Totenschiffbaus beherrschen, in Papua-Neuguinea angefertigt. Der Sammler selbst schrieb darüber: „Für die Papuaer gibt es Totenseelen. Sie umkreisen sie [die Lebenden] wie Raumschiffe, sie schleichen sich in ihre Träume, sie geben Zeichen. Nach der Zweitbeerdigung verlassen sie die Lebenden im Totenschiff“.

So irritierend der Ausstellungstitel und die Objekte zunächst auch wirken mögen, sie verweisen indirekt auf zentrale Fragen des Lebens, die sich Menschen in allen Kulturen seit jeher stellen. Was passiert nach dem Tod? Gibt es eine Seele und wenn ja, was passiert mit ihr nach dem Leben?

In seinen Grußworten lenkte Pfarrer Christian Egts die Gäste auf die Spur des Umgangs mit dem Tod in den westlichen Kulturkreisen. Dabei wurde deutlich, dass die Idee einer Überfahrt in das Jenseits auch in unseren Breiten seine Spuren hinterlassen hat. Als Beispiele wurden die nordischen Kulturen und die Ansichten über den Tod in der griechischen Antike erwähnt. Diesbezüglich sind Schnittpunkte mit dem Totenschiff der Ausstellung durchaus gegeben. „Religion und Kultur sind die Grundlagen menschlicher Existenz“, führte Egts aus. Die sichtbare Ausdrucksweise könne sich dabei von Kultur zu Kultur unterscheiden, dennoch seien gemeinsame Wurzeln unschwer zu erkennen.

Die Museumsleiterin ist der Auffassung, dass Helmuth Steenken stets die Verbindung zwischen den Menschen aufzeigen wollte. Er habe die gemeinsamen Wurzeln auf elementare Sichtweisen des Lebens offenlegen wollen. Durch seine Veröffentlichungen und Ausstellungen habe er seinen Teil zu einer Völkerverständigung beigetragen.

Virtuelle Sammlung

Die Ausstellung „Das Totenschiff – Kulturkontakte aus unterschiedlicher Perspektive“ kann noch bis zum 29. April im Schifffahrtsmuseum, Kaje 8, besichtigt werden. Ferner sind zahlreiche ausgestellte Stücke der Sammlung Steenkens auf der Internetseite www.kult-sammlung-stammeskunst.de im Internetmuseum des Panorama-Fotografen Horst Rummels zu sehen.

Brakes Bürgermeister Michael Kurz betonte in seinen Grußworten die Bedeutung des Schifffahrtsmuseums für die Stadt und die große Strahlkraft, die das Museum weit über die Wesermarsch hinaus besitzt. Das Museum sei ein wichtiger Faktor für die Touristen, die durch interessante und anspruchsvolle Ausstellungen in die Stadt kommen.

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