OLDENBURG/BREMEN/HANNOVER - Ein paar Monate hat es gedauert, doch weit musste das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur nicht suchen. Der neue Herr im Oldenburger Schloss kommt quasi aus der Nachbarschaft: aus der Hansestadt Bremen.
Wie das Ministerium in Hannover am Freitag Informationen dieser Zeitung bestätigte, wird Prof. Dr. Rainer Stamm, Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße/Paula-Modersohn-Becker-Museum/Museum im Roselius-Haus, die Nachfolge von Dr. Bernd Küster als Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg antreten. Küster wurde zum 1. August 2009 neuer Chef der Kasseler Museen, die seit 2006 unter dem Namen „Museumslandschaft Hessen Kassel“ firmieren.
Honorarprofessor
Sein neues Amt wird der 42-jährige Stamm zum 1. Mai übernehmen. Der promovierte Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler leitete das Bremer Haus seit dem Jahr 2000. Er hat zahlreiche Beiträge zur Kunst und Literatur der Moderne veröffentlicht, ist Herausgeber des Briefwechsels zwischen Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke sowie Verfasser einer Biografie der Worpsweder Malerin. Seit 2006 ist Stamm Honorarprofessor der Universität Bremen im Fachgebiet Kunstgeschichte. 2007 erhielten die Kunstsammlungen Böttcherstraße den Förderpreis für Museumspädagogik der VGH-Stiftung.
In seiner Amtszeit hat Stamm viele hochkarätig bestückte und ungewöhnliche Ausstellungen zur klassischen Moderne, die zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört, und zur Namensgeberin seines Museums zusammengestellt. Zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker (1876–1907) etwa wurde 2007/2008 der radikale Porträtstil der Künstlerin dokumentiert, indem ihren Bildern ägyptische Mumienporträts gegenübergestellt wurden, die einen großen Einfluss auf ihr Werk hatten.
Freude in Oldenburg
„Ich freue mich sehr auf Rainer Stamm“, sagte Doris Weiler-Streichsbier, stellvertretende Leiterin des Oldenburger Landesmuseums, am Freitag auf Anfrage. Von seiner Arbeit sei sie sehr angetan, zumal er nicht nur ein „Schmalspur-Kunsthistoriker“ sei, sondern bei ihm auch die Museumspädagogik „irgendwann in guten Händen“ sein werde. Das „Irgendwann“ ist bewusst vage, denn eigentlich hatte die 62-Jährige zum Frühjahr in den Ruhestand gehen wollen: „Aber wenn es Spaß macht, mache ich weiter.“
