• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Fulminantes Programm mit doppeltem Schlusspunkt

09.08.2017

Oldenburg /Bremen Ein mitreißender Finalsatz, ein markanter Schlussakkord. In der Musik ist der Ausklang der erste Schritt in die Erinnerung und gleichzeitig auch der erste in die Zukunft. So gesehen würde Oldenburg beim 28. Musikfest Bremen eine nachhaltige Rolle spielen. Im Großen Haus geht das Festival nämlich am 10. September mit dem 36. Programm seit dem Auftakt mit der „Großen Nachtmusik“ am 19. August rund ums Bremer Rathaus zu Ende. Laut Terminablauf jedenfalls.

Der Countertenor Valer Sabadus und das Ensemble Nuovo Aspetto zelebrieren im Staatstheater fetzige Arien von Antonio Caldara. Das Musikfest behält sein Hauptquartier natürlich in der Hansestadt. Doch es umgarnt das Umland sehr geschickt.

Ungewöhnliche Orte

Zwischen Norden in Ostfriesland, Rosengarten vor den Toren Hamburgs, Langförden im Oldenburger Münsterland oder Verden hat Thomas Albert in 28 Jahren Musikfest-Intendanz jede Menge außergewöhnliche Spielstätten aufgetan. „Wenn ich Kirchen, Schlösser oder ungewöhnliche Häuser sehe, entwickelt sich bei mir im Kopf fast spontan ein dorthin passendes Programm“, sagt er und lacht.

Beispiel Löningen im Kreis Cloppenburg. Albert kennt die weit tragende Akustik in St. Vitus, der größten pfeilerlosen Saalkirche Deutschlands. Das Gastspiel des Collegium Vocale Gent mit seinem Leiter Philippe Herreweghe am 22. August gilt der Marienvesper von Claudio Monteverdi. „Eins der kühnsten Werke der Musikgeschichte“, nennt Albert diese „Vespro della Beata Virgine“.

Fünf weitere Abstecher in den Nordwesten sind terminiert. Am 20. August tritt das katalanische Orquestra de Cadaqués im Freien am Schloss in Jever auf. Das Vokalconsort Berlin stellt sich am gleichen Abend in St. Laurentius in Langförden vor. In der Schlosskirche in Varel führt das Concerto Romano am 25. August Bernardo Pasquinis Oratorium „La sete di Cristo“ auf. Die Hörer auf Schloss Gödens im friesländischen Sande erleben am 2. September den angesagten Cembalisten Skip Sempé. In der Lambertikirche in Aurich ist am 6. September die Akademie für Alte Musik Berlin zu Gast.

Drei Wochen Spitzenklasse

Offiziell läuft das 28. Musikfest Bremen vom 19. August bis zum 9. September. Integriert ins Programm ist am 10. September ein Konzert im Oldenburgischen Staatstheater. 36 Veranstaltungen finden an 29 Spielstätten in Bremen, Bremerhaven und im weiten Umland statt. Eine Sonderstellung nehmen das Arp-Schnitger-Festival (23. bis 27. August) und die innovative Reihe „Musikfest Surprise“ (29. bis 31. August) ein.

   

   www.musikfest-bremen.de

Im Rahmen des eingebetteten Arp-Schnitger-Festivals rücken einige der besten Orgeln des besten barocken Orgelbaumeisters in den Blickpunkt: Am 23. August in der Norder Ludgeri-Kirche mit Masaaki Suzuki, am 24. in Hohenkirchen, am 27. in Ganderkesee.

Nun schmieren die Bremer ihren Nachbarn gewiss wohlschmeckende Butterbrote. Doch zu viel vom Aufstrich lassen sie sich auch nicht nehmen. In der Glocke und im Umfeld des Konzertsaals klotzen sie mit Stars und wendigen anderen Künstlern. Konzertant gibt es Mozarts Opern „La Clemenza di Tito“, geleitet von Teodor Currentzis, und „Don Giovanni“, mit Jérémie Rhorer am Pult. Die Bremer Philharmoniker sind eingebunden, ebenso die Deutsche Kammerphilharmonie. Weltklasse repräsentieren die Pianisten Fazil Say, Daniil Trifonov und Igor Levit, dazu Mischa Maisky (Cello), Christian Tetzlaff (Violine), Maurice Steger (Blockflöte) oder das Streichquartett Quatuor Ebène.

Sonderkonzert

3,2 Millionen Euro beträgt der Festspiel-Etat; 550.000 Euro wie im Vorjahr steuert die Hansestadt bei, den größeren Teil 39 Sponsoren. Bei diesem Aufwand ist klar, dass man Oldenburg dann doch nicht wirklich und allein den Schlusspunkt setzen lassen kann. Offiziell gibt es also das Schlusskonzert in Bremen am 9. September mit dem London Philharmonic Orchestra. Der Oldenburger Abend tags darauf läuft dann unter der Bezeichnung „Sonderkonzert zum Tag des Offenen Denkmals“. Netter Trick. Der Musik ist’s egal.