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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Franz Radziwill: „Klamottenmauer“ von nahem betrachtet

24.03.2020

Oldenburg /Dangast Eine Gruppe von Menschen steht der „Berliner Mauer“ gegenüber – so der Titel des Bildes. Die Personen selbst sind nicht zu sehen. Sie sind nur als Schatten präsent, die das Licht auf den Boden wirft. Im Bild rechts tritt eine Gestalt ein paar Schritte hervor, hebt den Arm, als wolle sie winken. Hinter der Mauer kontrastieren seelenlose Häuserschluchten mit Berliner Altbauten, die in tiefe Dunkelheit getaucht sind. Darüber erhebt sich der Turm der Versöhnungskirche. Geschichte scheint bereits dem Untergang geweiht.

Franz Radziwill malte das Werk im Jahr 1962. Das fantastische Element, das vor allem sein Spätwerk auszeichnet, ist hier eine „Stacheldrahtwolke“ am Himmel. Sieht man genauer hin, ist im Draht ein Adler gefangen, am Gefieder trägt er ein Schloss und eine Träne. Zugleich ist noch ein Augenpaar hinter einer Brille zu entdecken – ein Fragment eines Gesichts, doch es reicht, um den damaligen DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht zu erkennen. Dieser gab am 15. Juni 1961 offiziell bekannt, dass niemand die Absicht habe, eine Mauer zu errichten.

Am 13. August begann die radikale Abriegelung der Sektorengrenze, der Bau der Mauer. Eingänge und Fenster der Häuser, die an der Grenze lagen, wurden zugemauert. Selbst historische Bauwerke dienten als Baumaterial.

Radziwill, gelernter Maurer, sprach von der „Klamottenmauer“. Teile von Säulen und Reliefs sind zwischen den Steinen zu entdecken. Ausgangsort der Bildschöpfung ist die Bernauer Straße, die durch Pressebilder der Flüchtenden bekannt wurde. Das Foto des jungen Bereitschaftspolizisten, der am 15. August 1961 über die Stacheldrahtrollen hinweg ins Gebiet des französischen Sektors sprang und dabei seine Maschinenpistole wegwarf, ging um die Welt.

Radziwill kannte aber nicht nur die Berichte. Er stand der Mauer selbst gegenüber, als der Mörtel noch feucht war. Anlass war eine Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee. Vom 26. September bis zum 29. Oktober 1961 wurde dort eine Ausstellung über Neue Sachlichkeit gezeigt, an der Radziwill mit mehreren Werken beteiligt war. Kontakte zu Künstlern in Ostberlin pflegte er jedoch schon viel länger.

In den Jahren 1955 und 1956 stellte Franz Radziwill in der Deutschen Akademie der Künste der DDR aus. 1957 zeigte die Ostberliner National- galerie eine umfassende Einzelausstellung mit über 70 Gemälden. Radziwill war somit von der deutschen Teilung auch persönlich betroffen.

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