OLDENBURG/DELMENHORST/ - Das Sozialprojekt „Ausweg“ des Diakonischen Werkes Oldenburg zählt zu den zehn besten von bundesweit 139 Projekten, die sich um den Sozialpreis „Innovatio“ des Deutschen Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes beworben haben. „Dieses Projekt macht deutlich, dass die soziale Arbeit der Kirchen in Deutschland zum solidarischen Miteinander in dieser Gesellschaft beiträgt. Menschen in schwierigen Lebenslagen werden dabei unterstützt, das eigene Leben wieder selbstbestimmt gestalten zu können“, sagte Caritas-Präsident Peter Neher bei der Preisverleihung in Berlin.

Das Prinzip des Projektes „Ausweg“ ist verblüffend einfach: „Wenn Menschen nicht in der Lage sind, eine Geldstrafe zu bezahlen, zu der sie verurteilt wurden, dann nehmen wir sie in die Geldverwaltung“, erläutert Axel Zuber, Fachmann der Diakonie-Straffälligenhilfe in Delmenhorst und „Erfinder“ des Projektes. Viele Menschen haben Mühe, den Monat mit ihren Regeleinkünften zu überstehen. Kommt eine Geldstrafe hinzu, sind sie restlos überfordert. Das Geld wird nicht bezahlt, der Rechtsweg wird beschritten. Es folgen Mahnungen und schließlich die Ladung zum Haftantritt.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt greift die Freie Straffälligenhilfe ein. Von Beratungsgesprächen über Teil-Geldverwaltung bis hin zur kompletten Geldverwaltung der Ratsuchenden reicht das Angebot. Zuber: „Wir sorgen dafür, dass die Strafe zuverlässig abgezahlt wird.“ So wir die Haft vermieden.

In eineinhalb Jahren wurden 95 Klienten betreut. Über 90 Prozent aller Betroffenen, die den Weg in diese Hilfe fanden, wurden erfolgreich beraten. Neben finanziellen Schwierigkeiten hatten es die Berater mit weiteren psychosozialen Problemen zu tun.

In Niedersachsen gibt es 14 Anlaufstellen der Straffälligenhilfe. Für die Ersatzfreiheitsstrafe stehen über 400 Haftplätze zur Verfügung. Jährlich verbüßen 4500 Menschen eine Ersatzfreiheitsstrafe, die der Richter nicht für sie vorgesehen hatte.