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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Der verlorene Sohn kehrt heim

21.01.2020

Oldenburg „Der gefesselte Prometheus“ kommt endgültig nach Hause. Galt die Rückkehr des großformatigen Bildes aus der Werkstatt von Peter Paul Rubens (1577–1640) nach Oldenburg im Herbst 2019 als kleine Sensation, soll die Leihgabe aus Privatbesitz schon bald dauerhaft in den Bestand des Landesmuseums übergehen. Dr. Anna Heinze, Kuratorin der viel beachteten Ausstellung „Götter und Helden“, kündigte im Gespräch mit unserer Zeitung an, dass das Haus für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg die gebotene Gelegenheit ergreifen will, um das imposante Gemälde aus den Jahren 1613/14 zu kaufen.

Zum möglichen Kaufpreis des stark beschädigten Bildes machte Heinze keine Angaben. Die Kunsthistorikerin deutete allerdings das wohlwollende Entgegenkommen der jetzigen Besitzer aus den Niederlanden beim Preis an. In einem vollständig restaurierten Zustand läge der Marktwert des Gemäldes sicher im Millionen-Euro-Bereich.

Solch eine hohe Summe kann das Landesmuseum niemals aufbringen, deshalb ist das Angebot des Privatsammlers, den reichlich ramponierten Prometheus für einen Preis weit unter dem Marktwert zu erhalten, sehr verlockend. „Wir denken nun darüber nach, in welcher Form der Kauf zu finanzieren ist“, sagt Heinze.

Die 38-Jährige arbeitet seit August 2016 als Kuratorin für Bildende Kunst am Oldenburger Landesmuseum. Sie ist quasi die Sammlungsleiterin „Alte Meister“. Die durch sie konzipierte Ausstellung „Götter & Helden. Mythologische Malerei im Barock und heute, feat. Michael Ramsauer“ setzt Gemälde und Grafiken dieser Epoche neu in Szene.

Die Zusammenführung der Werke aus dem eigenen Bestand mit den Bildern des Oldenburger Malers ist in einzigartiger Weise gelungen. Aus räumlicher Sicht dazwischen, aber doch – als Erster unter Gleichen – über allem steht „Der gefesselte Prometheus“.

Das Gemälde hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die bis ins späte 18. Jahrhundert nachvollzogen werden kann. Wer mag, kann sie im Katalog der Ausstellung in Eveliina Juntunens Abhandlung ebenso detailliert nachlesen wie den bevorstehenden Prozess der Restaurierung, an den sich die Oldenburger mit professioneller Hilfe heranwagen wollen, wenn der Kauf geglückt ist.

Dass nun ausgerechnet dieses Bild als Teil der ehemaligen Großherzoglichen Gemäldesammlung nach 100 Jahren wieder an demselben Platz im Augusteum hängt, ist eine wunderbare Fügung und ein Glücksfall für alle Kunstliebhaber und Traditionalisten im Oldenburger Land.

Nach seiner Abdankung 1919 benötigte Großherzog Friedrich August dringend Geld, und er schickte sich an, einige Meisterwerke aus seiner Gemäldegalerie zu verkaufen. Der Protest im Land gegen die Abwanderung der Bilder führte dazu, dass das erste Kulturgutschutzgesetz erlassen wurde. Der Hamburger Museumsdirektor und Kunsthistoriker Gustav Pauli taxierte den Prometheus auf 160 000 Reichsmark. Nur Rubens‘ Bild „Heiliger Franziskus“ hatte damals einen höheren Marktwert.

Erst fünf Jahre später allerdings wurde der Prometheus nachweislich in Amsterdam für 1650 Gulden an einen jüdischen Kunsthändler verkauft. Im Jahr darauf befand sich das Bild im Besitz des jüdisch stämmigen Ehepaars Ernst Proehl und Julia Schwarz, die es ihrerseits 1941 für 20 000 Gulden einem Händler überließen, von dem es Kajetan Mühlmann, der in hohem Maße in den Kunstraub der Nazis verstrickt war, für 35 000 Gulden erwarb. „Der gefesselte Prometheus“ aus Oldenburg sollte einen Platz im geplanten, jedoch niemals verwirklichten „Führermuseum Linz“ erhalten.

Während des Krieges war das Gemälde deshalb mit vielen anderen Kunstwerken in einem Salzstollen in den Alpen eingelagert, was dem Bild nicht guttat. Die großflächigen, tiefgreifenden Schäden in der Malschicht müssen in diesem Zeitraum entstanden sein.

Im Stollen wurde es von Kunst-Spezialisten der siegreichen US-Armee entdeckt, nach München transportiert und im Jahr 1946 zur endgültigen Klärung in die Niederlande gebracht. Erst 2009 fand die Rückgabe an die Erben Proehl statt, in deren Besitz der Prometheus noch ist.

Die Ausstellung„Götter & Helden“ im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg endet nach knapp drei Monaten am Sonntag 2. Februar.

Schwülstig und pompös – sagen die einen, raffiniert und effektvoll die anderen: Barock ist streitbar, mit seinen Themen und Gestaltungsprinzipien aber aktuell wie vor vier Jahrhunderten. Das Landesmuseum verfügt über einen bedeutenden
Bestand barocker Gemälde mit antiken Bildthemen, der bislang nicht gezeigt wurde.

Zum Abschluss führen Kuratorin Dr. Anna Heinze und Künstler Michael Ramsauer am 2. Februar (11/15 Uhr) durch die Schau im Augusteum, Elisabethstraße 1.

Oliver Schulz Leitender Redakteur / Redaktion Kultur/Medien
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