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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Frohsinn zur Weihnachtszeit – trotz schlechter Laune

12.11.2019

Oldenburg Hans, der Sohn des gestorbenen Müllers, führt eine ganze Portion Ärger spazieren. Seine beiden Brüder haben den Hof und die Mühle geerbt. Er ist leer ausgegangen. Das heißt: Nicht ganz. Ihm ist der Mühlenkater geblieben. So ein eigensinniges Tier ist eher lästig. Der Kater selbst könnte auch sauer sein. Er könnte etwas Essbares vertragen. Und ein Angebot, etwa als Double bei den Bremer Stadtmusikanten einzusteigen, hat ihm auch niemand gemacht. Was wäre verständlicher, als dass die beiden sich hängen lassen? Oje, dann gäbe es im Großen Haus des Staatstheaters nicht einmal ein Weihnachtsmärchen.

Nie einfältig

Ein Glück, dass dieser Kater nicht so viel Trübsal bläst wie sein neuer Herr. Nein, er ist listig wie ein Fuchs, stark wie ein Löwe, schlau wie ein Luchs, dabei treu wie ein Hund – und so erfinderisch und zielstrebig wie sonst kein Katzentier. Die Brüder Grimm haben um diesen bunt schillernden Charakter das Märchen „Der gestiefelte Kater“ gerankt. Thomas Freyer hat es in eine Geschichte verwandelt, die auch im Heute gelten kann, ja, sogar in der Zukunft.

Krystyn Tuschhoff hat das ganze Geschehen ebenso vorder- wie hintergründig auf die Bühne gestellt. Uta Materne hat sie in eine knallbunte und sehr bewegte Zauberlandschaft verwandelt. Vom König bis zu den Musikern wuseln dort alle in zauberhaften Kostümen von Mascha Schubert herum.

Eigentlich wird von Anfang an gezaubert. Nicht nur Hans und sein Kater kommen gleich miesepetrig daher. Auch der König und die Prinzessin sind erst mal gräsig. Die Musiker der Hofkapelle sind es auch bald, denn sie fliegen bei Hofe ebenso raus wie der Königliche Berater Gustav. Ja, man glaubt es nicht, es geht auf der Bühne trotzdem von Anfang an fröhlich zu.

Die gute Laune durchzuhalten, ohne albern zu werden, das ist das Erste von allerhand Kunststücken. Die Handlung und Charaktere sind einfach konstruiert, aber nie einfältig. Man wird auch des Lachens nicht überdrüssig, weil dann kurz Nachdenklichkeit einzieht. Sieben Jahre alte Kinder mögen andere Geschichten weiterträumen als Eltern und Großeltern, doch an diesem Stück haben alle ihren Spaß. Es muss eben ohne erhobenen Zeigefinger serviert werden.

Hans zeigt, was er werden würde, bliebe er in seinen Träumen stecken: ein obertrauriger Trauerkloß. Der Kater verwirklicht mit Mut zur Veränderung seine durchaus komplizierten Ideen. Eigentlich tritt er als Hochstapler in seinen geliehenen Stiefeln auf. Doch er hat Ziele, und gegen Visionen ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Der König hingegen wird zum Handlanger und Opfer moderner Unwirtschaftlichkeit. Er muss rationalisieren. „Wachen! Wo bleiben die Wachen?“ Sind entlassen. „Jäger! „Wo bleibt mein Rebhuhn?“ „Koch! Wo bleibt mein Essen?“ Nur Gustav ackert bis zum Umfallen – und auch bis zu seiner Entlassung.

90 flotte Minuten

Vor allem der Kater (sagenhaft gelenkig und geschmeidig: Alexander Prince Osei), Gustav (dampfig in allen Gassen, herrlich in Slapstick-Zuckungen: Karl Miller) und der König (einer vom alten Schlag, der aus Reinfällen nichts lernt, also kein Wendehals ist: Thomas Birklein) prägen die 90 flotten Minuten mit auch einer knappen Prise animierender Live-Musik. Weiter im auch sprachlich gut geprägten Ensemble: Prinzessin/Rebecca Seidel; Hans/Manuel Thielen; Zauberin/Caroline Nagel; Musikerin/Cindy Weinhold; Musiker/Christoph Klan. Es gibt für die 31 geplanten Aufführungen Doppelbesetzungen.

Am Ende bekommt Hans seine Prinzessin und seine Mühle. Und die Prinzessin hat ihren Hans und mag seine Mühle viel lieber als ihr Schloss. Der Kater schnurrt. Märchen sind eben einfach zu schön. Lassen wir mal die Wucht des Beifalls auf das Hau-den-Lukas-Kraftgerät auf der Bühne einschlagen: Da schrillt ganz oben die Glocke, und die Skala zeigt an: „Max!“


Alle NWZ-Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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