Oldenburg - Zu ihrer Eröffnungspremiere der Spielzeit zeigt die BallettCompagnie Oldenburg am Staatstheater wieder ein Werk der modernen Tanzgeschichte. „Dark Meadow Suite“ aus dem Jahr 1946 ist eine Choreografie von Martha Graham. Sie ist eine Pionierin des amerikanischen Modern Dance und hat eine ganz eigene Tanzsprache entwickelt, die auch in diesem Stück gezeigt wird.

Gefühle standen bei Martha Graham immer im Vordergrund. Mit ihrer Tanzsprache wollte sie das Innere des Menschen auf die Bühne bringen. Die zentrale Figur dieser Choreografie ist eine Frau auf der Suche. Nach was, bleibt unklar. Es könnte ein Partner oder ihre Bestimmung im Leben sein. Untermalt ist das Werk mit einer Auftragsarbeit des mexikanischen Komponisten Carlos Chavez mit dem Titel „La Hija de Cólquide“. Ursprünglich für eine andere Choreografie vorgesehen, passte die Komposition sehr gut zu „Dark Meadow“, wie das Stück in seiner Urform heißt.

Am Staatstheater wird nicht das gesamte fünfzigminütige Werk gezeigt, sondern die gekürzte „Dark Meadow Suite“. „Schon zu Lebzeiten von Martha Graham wurden gekürzte Versionen aufgeführt. Wir zeigen jetzt die Essenz dieses Stückes in zwanzig Minuten. Auch ohne das ursprüngliche Bühnenbild. Es ist jetzt eine auf den abstrakten Tanz verdichtete Choreografie“, erklärt Dramaturgin Telse Hahmann.

„Dark Meadow Suite“ ist nur der Auftakt zu einem dreiteiligen Ballettabend. Es folgt eine Uraufführung des Ballettdirektors und Chefchoreografen der BallettCompagnie Oldenburg, Antoine Jully. Der Titel seiner Choreografie „Su una nota sola“ (Auf einer einzelnen Note) stammt von der begleitenden Musik. Der Komponist Giacinto Scelsi schrieb sein Werk nach einem psychischen Zusammenbruch. Das Anschlagen einer einzelnen Taste am Klavier beruhigte ihn. Im Nachlauschen dieses Tones stellte er fest, dass der Ton in seiner Fantasie ein kleines Universum entstehen ließ

Auch Telse Hahmann versichert, dass die Musik, obwohl sie tatsächlich nur aus einem Ton besteht, nicht langweilig ist: „Dieser Ton wird von vielen verschiedenen Instrumenten gespielt. Dadurch entstehen unterschiedliche Klangfarben. Zusätzlich wird viel mit Akzentuierung und Phrasierung gearbeitet.“ Inhaltlich konzentriert sich Jullys Choreografie auf das Weibliche. Alles beginnt mit der Ur-Frau Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Wie entdeckt Eva ihren eigenen Körper und wie reagieren andere auf den weiblichen Körper?

Den Abend beschließt die Choreografie „A.U.R.A.- Anarchist Unit Related to Art“ („Anarchistische Einheit auf Kunst bezogen“) von Jacopo Godani aus dem Jahr 2009. Auch Godani hat seine eigene Tanzsprache gefunden, die darauf basiert, dass jeder Muskel des Körpers Auslöser für eine Bewegung sein kann. Das klassische Ballett liegt dem zugrunde, davon ausgehend werden die Bewegungen aber stark verfremdet. Das wirkt laut Dramaturgin Telse Hahmann sehr überraschend und vielfältig. Musikalisch begleitet wird der Tanz durch eine Komposition des Duos 48nord (Ulrich Müller und Siegfried Rössert).

Die drei Choreografien haben am Samstag, 27. Oktober, um 19.30 Uhr Premiere im Großen Haus. Weitere Vorstellungen sind unter anderem am 3. und 9. November ebenfalls um 19.30 Uhr.