OLDENBURG - „Wie immer“ sollte der Auftritt werden. Fettes Brot wollen aber ernst genommen werden.
von matthias eichler
OLDENBURG - Entspannt lümmeln sich Doktor Renz, König Boris und Schiffmeister im Backstage-Bereich der Weser-Ems-Halle herum. Vor ihrem Auftritt machen die Hamburger Vorstadtrapper von der Gruppe Fettes Brot noch schnell ein Bier auf.So ruhig muss es wohl hinter Bühne zugehen – denn als Martin Vandreier, Boris Lauterbach und Björn Warns (so heißen die „Brote“ im richtigen Leben) auf die Bühne stürmen, sprühen sie vor angestauter Energie. „Heute Abend brennt die Luft, dass euch die Augen flimmern“, versprechen Fettes Brot gleich im ersten Song „Wie immer“.
Und tatsächlich scheint alles wie immer, als wären die Jungs aus Hamburg nicht drei Jahre lang in der Versenkung verschwunden gewesen: Sie hüpfen, springen und toben auf der Bühne herum, dass einem schon beim Zugucken der Schweiß über den Rücken läuft. Die Fans reißen begeistert die Arme hoch – und das nicht nur, um mit Digitalkamera oder Fotohandy einen Schnappschuss von der Band zu machen.
Für viele überraschend spielen sie als vierten Song bereits „Emanuela“. Diese Single, mit der die Nordlichter im Februar ein erfolgreiches Comeback in die Charts schafften, hatte mancher Fan erst als Zugabe erwartet.
Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Die Rapper feuern ein Stück nach dem anderen aus ihrem Repertoire und halten das Publikum in ständiger Bewegung. Bei „Schwule Mädchen“ oder „Da draußen“ bleibt kein Bein am Boden. Und „Jein“ ist ein Song, den selbst nicht-eingefleischte Fans aus dem Effeff kennen. Kein Wunder: 1996 wurde er ständig im Radio gespielt.
„Wir wollen nicht mehr so viel Quatsch machen“, tritt Schiffmeister Björn zwischendurch ein wenig auf die Euphoriebremse. Die Brote haben einen neuen Anspruch: „Erwachsener, ernster und hintergründiger wollen wir rüberkommen.“ Kritische Songs wie „Soll das alles sein“ dürfen darum nicht fehlen. Keine Überraschung ist das Ende der Show: „Nordisch by Nature“ dröhnt aus den Boxen.
Durchgeschwitzt verlassen die Fans nach zwei Stunden die Halle. Das sehen Martin, Boris und Björn mit einem zufriedenen Lächeln, als sie hinter dem Vorhang hervorblinzeln. Endlich können sie sich wieder ganz entspannt hinter die Bühne lümmeln . . .
