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Aktualisiert vor 13 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Auf krummen Wegen zum Glück in der Exerzierhalle

18.11.2019

Oldenburg Es war einmal, nein; es war zweimal, nein – es war dreimal! Drei Mädchen, die identisch sind und sich doch so gar nicht gleichen. Die Drillinge Albienne, Beatrix und Carmen, die glaubten, dass das Glück der Erde sie nie verlassen würde. Bis die Mutter stirbt und Albienne, die Kuchenliebhaberin, den Appetit verliert, und Beatrix, das Sonnenkind, den Mond zum Begleiter macht, und Carmen nicht mehr seltsam ist, weil sie so still ist, sondern nun alle schweigen. Bis der Vater seine Töchter im Wald aussetzt und sie auf die Suche nach ihrem Platz im Leben schickt.

Das Stück „Eine lacht, eine weint, eine bleibt“ von Finegan Kruckemeyer ist eine Parabel auf die großen Entscheidungen, die nicht immer auf direktem Weg zum Glück führen. Die Inszenierung am Oldenburgischen Staatstheater erntete bei der Premiere am Samstag in der Exerzierhalle tosenden Applaus.

Das mag an der Regie von Franziska Stuhr und der
Dramaturgie von Anna-Teresa Schmidt gelegen haben: Die rund 80 Minuten stecken voller Überraschungen und Wendungen. Perspektivwechsel – die Geschichten der Mädchen werden im Wechsel erzählt – gelingen genauso hervorragend wie Stimmungswechsel: zu Beginn die drei fröhlichen Schwestern, die nach dem Tod der Mutter im Schneidersitz in drei Ecken sitzen, mit hängenden Köpfen, im Schmerz gekrümmt, die Arme um sich selbst geschlungen.

Kleine Erfolgserlebnisse

Oder Beatrix, die eben noch jauchzend die Dünen hinabgesaust ist und dann stiller wird, weil sie merkt, dass sie ohne Boot nicht weiterkommt: „Die Welt zu umrunden ist eine harte Sache.“ Oder Albienne, die sich in ihren ersten Wanderjahren einredet, dass alles in Ordnung ist, solange sie kleine Erfolgserlebnisse verzeichnet – „Ich bin oben angekommen!“ –, bei der sich aber ein Sinneswandel vollzieht, als sie hoch oben auf dem Berg die rechte Faust gen Himmel reckt und laut „Attacke“ brüllt.

Es mag auch an dem spartanischen Bühnenbild (Anna Brandstätter) gelegen haben – außer einem stilisierten Berg aus hellem Holz inmitten der runden Bühne, der sich in Nullkommanichts in ein rasantes Karussell verwandelt, braucht es bei diesem kurzweiligen Stück nicht viel.

Es mag an der Musik (Jan Paul Werge) gelegen haben, die immer passt: die beruhigende Melodie, die die Mädchen summen, als der Vater sie durch den dunklen Wald führt, oder das Lied, das sie immer wieder anstimmen und sie daran erinnert, dass sie zueinander gehören.

Ein Vergnügen

Es ist ein Vergnügen, den drei Schwestern auf ihrem abenteuerlichen Weg zum Erwachsenwerden zuzugucken: Albienne, die als blutrünstige Kriegerin ihr Lachen kurzzeitig verliert, mit dem Schwert durch die Lande zieht und dieses am Ende doch lieber gegen eine mobile Backstube austauscht.

Beatrix, die einen Leuchtturm zum Einstürzen bringt, ihn zum U-Boot umfunktioniert und damit den Pazifik über- beziehungsweise unterquert und eine graue Großstadt voller roboterartiger Menschen mit ihrem Charme zum Leben erweckt – und ihre goldene Glitzerjacke wieder ablegt, als sie merkt, dass Glanz und Glamour vielleicht doch nicht das Wahre sind.

Und Carmen, die sich in ihrem Haus im Wald um alle sorgt, außer um sich selbst, bis sie mit einem Mal alle Fremden aus ihrem Haus und die Last der Welt von ihren Schultern verbannt.

Rührende Momente

Bis zum 21. Dezember ist das Stück mehrfach in der Exerzierhalle zu sehen, Karten sichern lohnt sich. Taschentücher einpacken auch: für die rührenden Momente, derer es viele gibt. Etwa, wenn sich Albienne, die Kriegerin, und Beatrix, das Glamoursternchen, auf halber Strecke begegnen, ohne sich zu erkennen. Oder wenn Beatrix in der nächtlichen Stille unterm Sternenhimmel auf ihren Vater trifft und sich erinnert, dass sie all die Jahre doch nur Eines im Sinn hatte: den Weg zurück nach Hause zu finden.

Oder, wenn die drei Mädchen, die längst erwachsene Frauen sind, am Ende ins Haus gehen, die Stiefel ausziehen, Tee trinken und Geschichten austauschen, „die eine ganze Welt wert sind.“


 Alle NWZ-Theaterkritiken unter     www.nwzonline.de/premieren 
Nathalie Meng Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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