• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Verführung nach allen Regeln der Kunst

16.09.2017

Oldenburg Wie schrieb doch Franz Kafka so schön in sein Tagebuch: „Im Kino gewesen. Geweint.“ Der Schriftsteller von einst könnte mit diesem Zitat das diesjährige Filmfest Oldenburg gemeint haben und dessen Festivalbeitrag „Emma“. Denn weinen darf man hier auch, aber nicht aus Rührung oder vor Angst. Sondern weil „Emma“ in Bilder gegossene Poesie ist, so schön und groß wie das Leben.

Die zwölfte Arbeit des italienischen Regisseurs Silvio Soldini (bekannt durch „Was will ich mehr“, „Tage und Wolken“ oder „Brot und Tulpen“) erzählt eine im Grunde einfache Geschichte: Der gestresste Werbefachmann und rastlose Herzensbrecher Teo (Adriano Giannini) trifft die blinde Osteopathin Emma (Valeria Golino), die er zunächst nach seinen Regeln der Kunst zu verführen gedenkt.

Wo Der Film läuft

Der Film „Emma“ (Italien/Schweiz 2017) läuft beim Filmfest Oldenburg als internationale Premiere an diesem Sonnabend, 16. September, ab 19 Uhr sowie am Sonntag, 17. September, ab 14.30 Uhr in der Exerzierhalle am Pferdemarkt. Der Film ist in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln zu sehen. Regie führt Silvio Soldini; Hauptdarsteller sind Valeria Golino, Adriano Giannini, Arianna Scommegna und Laura Adriani.

Das 24. Filmfest Oldenburg endet an diesem Sonntag.

Doch die behinderte und selbstständige Frau, geschmeichelt und abwehrend zugleich, zeigt ihm, wie anders ihre dunkle Welt ist – und wie sehr diese Welt die vermeintlich „normale“ ergänzen kann. Zwischen den beiden beginnen starke Gefühle zu entflammen, kinotypisch mit Verwirrungen und Hindernissen.

Der Originaltitel des Films, „Die versteckte Farbe der Dinge“ (Il colore nascosto delle cose) erklärt, dass Soldini, ohnehin bekannt für Beziehungsdramen, keine weitere Liebesschmonzette drehen wollte, sondern eine ebenso italienisch leichte wie leicht ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema „Umgang mit Behinderung bzw. mit Nicht-Behinderung“. Teo, der den Kontakt zu Emma zunächst als „ehrenamtliche Tätigkeit“ abseits tieferer Gefühle einordnet, entdeckt, wie reich an ihm unbekannten Eindrücken das Leben ohne Augenlicht sein kann. Und Emma spürt, dass sie sich hinter dem Wall von Mitleid nicht dauerhaft verstecken kann. Für beide gilt am Ende Emmas Ausspruch: „Schmerz zu empfinden ist der einzige Weg, Dinge zu fühlen.“

Das gilt auch für den Zuschauer. Soldini lässt ihn an Emmas Blindheit teilhaben, indem er die ersten zwei und die letzten vier Minuten des Films in völliger Dunkelheit ablaufen lässt; nur Stimmen sind zu hören. Zweiter Kunstgriff: Alle Kameraeinstellungen aus Emmas Sicht sind absolut unscharf, nur die Person genau vor der Linse erscheint scharf im Bild.

Form und Inhalt machen so aus einem eher unspektakulären Plot ein Beispiel für großes europäisches Erzählkino. „Emma“ läuft beim Filmfest Oldenburg als internationale Premiere in der 16-teiligen „Internationalen Reihe“ – dabei ist das Werk einzigartig. Zum Weinen schön, zum Lachen auch und überhaupt einfach toll.

Klaus Fricke

Weitere Nachrichten:

Oldenburger Filmfest

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.