OLDENBURG - Je älter Morton Feldman wurde, desto leiser wurden seine Kompositionen – und länger. „Am Ende bis zu fünf Stunden“, weiß Robyn Schulkowsky über ihren amerikanischen Landsmann. Doch die Schlagzeugerin beruhigt das vorwiegend jugendliche Publikum am Sonntag im Kleinen Haus des Staatstheaters: „Das machen wir hier nicht.“
Auf eine gute Stunde ist das zweite Familienkonzert mit dem Titel „Schlag auf Schlag“ begrenzt. Es braucht in diesem Rahmen schon enorme Konzentration, bei John Cage, Christian Wolff, Ali N. Askin und eben Feldman und Schulkowsky die Wechsel der Klangfarben zu beobachten, die Verschiebungen der Rhythmen und Betonungen zu verfolgen. Das sind hoch kultivierte, hoch sensible, hoch differenzierte Puzzles. Mit dem, was Drummer in Bands aufschäumen, hat das wenig gemeinsam.
Technisch brillant
„Percussionist“ nennt sich Schulkowsky, zu mehr habe sie es nicht gebracht im Leben. Das ist ebenso mitreißend untertrieben wie ihr Spiel faszinierend hoch gezüchtet und dennoch in höchster Kunst faszinierend einfach geblieben ist.
Die Frau aus Iowa, die seit über 30 Jahren in Deutschland wirkt und Tourneen durch die ganze Welt absolviert, hat längst den Ritterschlag erhalten. Zu nichts weniger als zur „besten Schlagzeugerin der Welt“ ernannte sie die Wochenzeitung „Die Zeit“.
Tischtennisbälle hüpfen
Es ist ein Adelstitel nicht nur für ihre technische Brillanz. Noch immer erforscht die 58-Jährige neue Klangdimensionen. Und sie unterstreicht in ihrer Wuseligkeit auf der Bühne und ihrem Enthusiasmus: Musik muss man mit dem ganzen Geist und dem ganzen Körper erfahren, sie ist ein Erlebnis und kein profanes Produkt. Bei Feldmans „The King of Denmark“ lässt sie Dänen-Prinz Hamlet als Gespenst durch die zarten Klangnebel schweben.
Natürlich weiß eine wie Robyn Schulkowsky auch, wann es krachen muss. Wenn sich zwei Jungen zuraunen: „Jetzt könnte noch mal richtig die Post abgehen“, kommt es wie Telepathie bei ihr an.
Ihr Solo aus der Eigenkomposition „Armadillo“ beschwört Maya-Zauber, lässt exotische Tiere tanzen. Darauf satteln Philipp Arndt und Andreas Heuwagen vom Oldenburgischen Staatsorchester noch einmal eine Lage drauf, mit Drive, Hochspannung und schleichenden Phasenwechseln.
Den finalen Rhythmus setzen hüpfende Tischtennisbälle. Haben Percussion-Instrumente in ihrer Vielfalt denn gar keine Grenzen?
