OLDENBURG - In den Weiten der Filmwelt haben Oldenburg und Torsten Neumann den allerbesten Ruf. Wenn ein John Gallagher oder Buddy Giovinazzo hierher kommen, finden das Experten beeindruckend, und Macher Torsten Neumann platzt fast vor Stolz. Zumal ein Branchendienst sein Festival auf Platz fünf der weltweit wichtigsten unabhängigen Filmfeste gesetzt hat nach Berlin, Cannes, Venedig und Rotterdam.
Vom 14. bis 18. September folgt nun die 18. Auflage des Festivals (siehe auch Seite 13) Und inzwischen muss Neumann beim Stadtrat mehr Überzeugungsarbeit leisten als bei seinen Gästen. Denn im Rat gibt es eben nicht wenige Politiker, die (wie die meisten Bürger) nicht nur nicht viel mit den Buddy Giovinazzos dieser Welt anfangen können. Sie drehen dem Filmfest auch mit Vorliebe den Geldhahn zu und zeigen Neumann im Kulturausschuss, was es noch an Folterwerkzeugen gibt. Für Neumann liegt dies vor allem daran, dass der Oberbürgermeister bekennender Filmfan ist.
Ich habe den Eindruck, dass wir hier in Oldenburg recht viel destruktive Energie haben, meint Neumann. Er verschweigt auch nicht, dass er den 11. September fürchtet. Dann ist Kommunalwahl. Und gewinnen die Schwandner-Gegner, so dürfte drei Tage später bei der großen Eröffnungsgala in der EWE-Arena eine gewisse Kater-Stimmung bei Neumann zu spüren sein. Ohne den OB haben wir es noch schwerer, räumt der Festivalmacher ein.
Einen Vorgeschmack erlebte er im vergangenen Jahr im Kulturausschuss. Heftige Wortgefechte vor allem mit Jutta Bohne (SPD) und Sebastian Beer (Grüne) ließen für Neumann das Fest auf der Kippe stehen (NWZ
berichtete). Beim Haushalt folgte aber eine versöhnliche Wende. Der Zuschuss für 2011 wurde von 47 500 auf 77 000 Euro aufgestockt. 2009 lagen wir aber noch bei 100 000 Euro, sagt Neumann.Er lässt keinen Zweifel daran, dass er eine sechsstellige Förderung in den kommenden Jahren wieder erwartet. Die Kosten steigen enorm. Wenn man den Anspruch halten will, muss das Budget steigen. Das allerdings wird unabhängig von der städtischen Unterstützung schwer werden. Denn auch die EWE hat eine neue Sparsamkeit entdeckt und ihren Zuschuss mal eben halbiert.
Höhere Eintrittspreise sind für Neumann vorerst aber kein Thema. Die Tickets liegen meist um moderate 7,50 Euro. Ein Euro mehr pro Karte könnte bei 15 000 Besuchern den Etat von 310 000 Euro nur leicht steigen lassen. Nein, der Filmfest-Chef sieht eine Verantwortung bei der Kulturförderung, nicht bei den Besuchern. Aber er selbst ist auch skeptisch: Ich weiß nicht, wie viel Verständnis ich beim Rat geweckt habe.
