OLDENBURG - Das hat der gebürtige Allgäuer inzwischen gelernt: „Dreimal ist Oldenburger Recht“, verkündet Markus Müller stolz sein Wissen. Folglich habe das Festival „Go West – Theater aus Flandern und den Niederlanden“, das vom 23. bis zum 26. Februar 2012 zum dritten Mal stattfindet, bereits Tradition. Das erscheint nötig zu betonen, denn die Vielfalt der niederländischen Theaterlandschaft ist nach den Worten des Generalintendanten durch massive Subventionskürzungen in Gefahr.

Noch aber ist es dem Dramaturgen und Festivalleiter Jörg Vorhaben gelungen, ein viertägiges Programm mit 17 Vorstellungen – sechs Gastspiel- und drei eigene Koproduktionen – zusammenzustellen, das vom Einfallsreichtum der Theatergruppen in den Nachbarstaaten lebt.

Sprachliche Barrieren sind nicht zu befürchten, denn im Gegensatz zum eher wortlastigen deutschen Theater vertrauen die Niederländer und Belgier stärker auf die Bildsprache. Die Produktion von Jakop Ahlbom etwa – sie trägt den passenden Titel „Vielfalt“ (25. 2.) – erzählt komplett ohne Worte eine magische, nervenaufreibende Geschichte, in der Frauen wortwörtlich die Wände hochgehen und durch Ausgüsse im Waschbecken auftauchen.

Den Auftakt macht am 23. 2. die deutsch-holländische Uraufführung „Der (kommende) Aufstand“, in der auch Oldenburger Schauspieler mitwirken. Weiterhin finden sich ein „Steineflüsterer“ (Nick Steur, 24. 2.), der in „Freeze!“ mit unendlicher Geduld Steine stapelt, ein Schauspielkollektiv (Theater Zuidpool, 25. 2.), das Shakespeares „Macbeth“ als eine Art Rockkonzert auf die Bühne bringt, eine Gruppe (De Warme Winkel, 24. 2./25. 2), die sich in „Rainer Maria“ mit Rilkes Werk auseinandersetzt und ihr Stück in einer Scheune aufführt (warme Bekleidung empfiehlt sich) sowie zwei Musiker (Zonzo Compagnie, 26. 2.), die mit zwei Modelleisenbahnen auf Klangreise gehen.

Aufgeführt werden die Stücke in der Exerzierhalle, im Spielraum, im Kleinen und Großen Haus, auf dem Hof Schweers in Ostrittrum und im Theater Laboratorium. Letzteres kooperiert erstmals mit dem Staatstheater, das folgerichtig dem Puppen- und Figurentheater einen Schwerpunkt widmet. Als Meister der Klappmaulfigur gilt der gebürtige Australier Neville Tranter (25. 2.), dessen Puppenspieler Nigel in Afghanistan auf Punch Bin Laden trifft. Und schließlich Ulrike Quade, die mit „The Writer“ (26. 2.) über den Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun eine eindrucksvolle One-Woman-Show abliefert – mit einem leidenschaftlichen Kuss zwischen Mensch und Puppe als Höhepunkt.

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