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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Festival: Selbstironischer Blick einer Tänzerin auf ihr Leben

17.05.2019

Oldenburg Soll ich tanzen? Soll ich etwas erzählen? Mit fragenden, großen Augen unter ihrem krausen Haarschopf stellt Cristiana Morganti das Publikum in der Exerzierhalle vor die Wahl. Aber nur scheinbar, denn ihr rund 80-minütiges Solo „Jessica And Me“ bei den 14. Internationalen Tanztagen ist eher eine Performance. Es wird zwar auch getanzt, aber mehr erzählt, meist auf Englisch. Ein bisschen chaotisch, ohne erkennbaren roten Faden, aber der Zusammenhang ergibt sich von selbst: Es ist die Biografie einer Tänzerin, die mehr als 20 Jahre bei Pina Bausch (1940–2009) in Wuppertal getanzt hat – im großen Schatten einer Legende.

Dass die Jahre nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind, macht die Italienerin mit temperamentvoller Selbstironie deutlich, zieht sich auf der Bühne bis auf die dunkle Unterwäsche aus und schwärzt mithilfe technischer Effekte und eines ausgeklügelten Lichtdesigns ihre Silhouette auf die Proportionen einer 25-Jährigen. Beim Dauerlauf auf der Gymnastikmatte geht ihr nach einigen Minuten die Puste aus. Japsend deutet sie auf diverse körperliche Unzulänglichkeiten und schmerzhafte Problemzonen als Folge ihrer langen Tanzkarriere – immer etwas zu laut, immer mit viel Humor.

Dann wieder tanzt sie – einzelne Sequenzen stammen erkennbar aus der Zeit am Tanztheater Wuppertal –, das Gesicht leicht entrückt, die Bewegungen fließend. Oft bleibt sie dabei auf dem Boden. Das Herunterkommen sei ja nicht so schwierig, witzelt sie an anderer Stelle und demonstriert das Problem mit übertriebener Pantomime, nur das Wiederaufstehen . . .

Um ein paar biografische Details zu vermitteln, hat die Tänzerin einen Kassettenrekorder mitgebracht und lässt sich mit dessen Hilfe von einer etwas penetranten Reporterin interviewen, die sie konsequent mit „Tiziana“ anspricht. Wie denn das so gewesen sei mit Pina Bausch. Ob sie wirklich so schlimm war. Und wie das Zusammenleben aller Ensemblemitglieder unter einem Dach funktioniert hat. Das empörte Dementi der Italienerin – „Nein, sie war nicht schlimm. Und jeder hatte natürlich sein eigenes Apartment!“ – lässt erahnen, welche kruden Interviewerfahrungen sie in der Vergangenheit gemacht hat.

In wechselnder Kostümierung erzählt sie auch von ihren Tanzerfahrungen als junges Mädchen, als sich ihr Körper nach Ansicht der Tanzlehrer zu sehr rundete. Ihr wurde ein BH verordnet, der ihre Brüste quasi bis unter die Achseln quetschte.

Weshalb sie nach einem kurzen Abgang in knallroten, übergroßen Pumps über die Bühne stakst, kann nur vermutet werden. Tiefgründig muss es aber gar nicht sein. Cristiana Morganti ist einfach nur sie selbst.


Ein Spezial unter   www-nwzonline.de/tanztage 
Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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