• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Filmfest-Kritik Zu „lara“: Eine schreckliche Frau

07.09.2019

Oldenburg Kann man diese Frau mögen? Eine, die Nachbarn gern arrogant übersieht. Eine, die einer Freundin des Sohnes heimlich den Geigenbogen zerbricht. Eine, die ihren Sohn hyper-ehrgeizig zu musikalischen Erfolgen hochquälte. Eine, die zu allen grummelig ist. Und die sogar ihrer Mutter ins Gesicht schlägt.

Corinna Harfouch ist in Jan-Ole Gersters zweitem Spielfilm diese schreckliche Frau „Lara“. In der ersten Szene könnte man fast noch Mitleid haben, wenn sie an ihrem 60. Geburtstag aufsteht, im Halbdunkel ihre Einsamkeit spürt, den Lärm der Großstadt in ihrer seelenlosen Hochhauswohnung hört, das Fenster weit öffnet und schon auf dem Tritt aus dem Leben ist. Das Klingeln an der Tür reißt sie aus ihrem Vorhaben.

Die Kamera von Frank Griebe sucht ruhige Bilder und findet sie stilsicher. Der Film begleitet Lara einen Tag lang – ähnlich wie in „O Boy“, Gersters preisgekröntem Debüt von 2012. Da wurde Niko, der gescheiterte Jurastudent, der verloren durch die Straßen Berlins krauchte, auch einen Tag lang begleitet. Und wie in „O Boy“ ist Tom Schilling in „Lara“ dabei.

Kalte Liebe

Er spielt Viktor Jenkins, den Sohn Laras. Viktor ist ein glänzender Pianist, hat erstmals komponiert und soll abends ein wichtiges Konzert geben – zu dem die Mutter aus gutem Grund nicht eingeladen wurde. Denn diese Mutter, die nie an ihr eigenes Talent glaubte, macht ihren Sohn mit Dauerkritik mental völlig fertig. Diese Vorgeschichte wird in den 90 Minuten nur fein angedeutet, aber sie bedrückt alle Beteiligten, darunter selbst Laras geschiedenen Mann.

Ausgerechnet an ihrem 60. Geburtstag will Lara auf Viktor zugehen, kauft sie 22 Eintrittskarten für dessen Klavier-Konzert. Lara möchte am liebsten alles Kaputte aus ihrer Vergangenheit ein wenig heilen – die Betonung liegt auf ein wenig.

Der Film lebt von der Titelfigur und vom Gesicht Corinna Harfouchs. Gern guckt sie starr, und desto stärker wirken leichte Veränderungen, wenn sie sich fast ein Lächeln abringt (sehr selten), wenn sie grimmig was Böses tut (viel zu häufig), wenn sie anteilslos schaut (generell).

Eröffnung am 11. September – Regisseur kommt nach Oldenburg

Das 26. Filmfestival Oldenburg findet vom 11. bis zum 15. September in verschiednen Spielstätten statt.

Eintrittskarten unter Telefon: 01522/529 9905

Der Film „Lara“ eröffnet in Anwesenheit des Regisseurs Jan-Ole Gerster am 11. September um 19 Uhr in der Kongresshalle (Europaplatz 12) das Festival. Der Film wird auch am 15. September um 14.30 Uhr im Cine K (Bahnhofstr. 11) gezeigt. „Lara“ startet am 7. November in den Kinos.

Das Klavierkonzert im Film wurde von Arash Safaian komponiert, der Soundtrack von der Star-Pianistin Alice Sara Ott und dem Deutschen Kammerorchester Berlin eingespielt.

Laras Obsession ist die Musik. Nur, dass die Liebe dazu längst in klirrender Kälte erstarrt ist. Der Film versinkt aber nicht in Tristesse. Gerster versteht es meisterhaft, Komik in die Tragik zu mischen. Es gibt amüsante Szenen, etwa wenn Lara versucht, Viktor telefonisch zu erreichen und immer nur das Band erwischt. Oder wenn sie großzügig an jeden, den sie bei ihrer Tour durch Berlin trifft, eine Konzertkarte verschenken will – aber in diesem Running Gag eben meist Leute trifft, die schon Karten haben.

Hübsch ruppig

Wird Lara so liebenswerter? Regisseur Gerster lässt die Gefühle pendeln, aber letztlich bleibt Lara eine geübte Vor-den-Kopf-Stoßerin. Eine Egoistin. Eine, die über andere gnadenlos richtet. Eine, die nicht mit, sondern gegen die Gesellschaft lebt.

So ist „Lara“ ein kräftiger Kinofilm über Einsamkeit, Leere und das Innere eines Menschen – poetisch, urban, ruppig. Ein sehenswerter Streifen darüber, was sich im Leben noch reparieren lässt. Und was nicht.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2060
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.