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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Filmfest Oldenburg: Am Ende müssen es die Frauen richten

19.09.2020

Oldenburg Der Western, ein ewiger Wiedergänger. Trotz heißer Bohnen und kalter Mordpläne ist dieses Filmgenre einfach nicht totzukriegen. Nach seinem Höhepunkt in den 1950er und 60er Jahren wurde die Sage vom wilden Westen in den USA reaktiviert von Regiestars wie Sergio Leone, den Coen-Brüdern oder Quentin Tarantino. Und in diesem Jahr kümmert sich der Franzose David Perrault um die rauchenden Colts. Sein Film „L’état sauvage/Savage State“ (Wildes Land) beschließt an diesem Sonntag das 27. Oldenburger Filmfest mit einer fulminanten zweistündigen Inszenierung.

Perrault greift darin sämtliche bekannten Stilmittel des Western auf: Die grandiose Natur. Das Pistolenduell. Der tagelange Marsch durch die Prärie. Die Versorgung einer Schussverletzung mit dreckigem Messer und halb voller Whiskeyflasche. Die scheinbar überlegenen Bösen. Die tapferen Guten. Der einsame Mann im Kampf mit allem.

Der Held kapituliert

Halt, hier ist etwas falsch. Der Mann – in diesem Fall Victor, der mittelmäßig begabte Coltträger und Beschützer der Schutzlosen – kapituliert trotz aller Versuche, Held zu sein, vor dem Durchsetzungswillen der ihm anvertrauten Frauen. Die Mutter Madeleine, die Schwestern Esther (überragend: Alice Isaaz), Justine und Abigaelle sowie deren große Gegenspielerin Bettie (dramatisch gut und fies: Kate Morgan) machen die Geschichte und vor allem das blutige Finale unter sich aus. „Kein Mann ist es wert, für ihn zu sterben“, sagt Justine. Getreu dem Motto, dass Frauen nie hilflos sind, egal wie schlimm Wetter und Feinde wüten.

Ansonsten ist die Story im Prinzip eher konventionell: Gegen Ende des US-Bürgerkriegs flieht eine reiche französische Siedlerfamilie aus Missouri vor den heranrückenden Nordstaatlern. Pistolero Victor soll sie an die Küste auf ein Schiff gen Europa bringen. Doch Victor hat ein Geheimnis. Er hat im Auftrag von Madeleines Gatten Edmont den Vater von Bettie um Diamanten betrogen. Fortan jagt Bettie mit ihrer Gang maskierter Banditen den Bewacher.

Ende im Kugelhagel

Was im aufregenden Kugelhagel endet, ist zuvor ein Film, der sich in meditativer Ruhe und langen Dialogen ergeht – und der dabei nichts an Spannung verliert. Die Kameraführung von Christoph Duchange kreiert dafür denkwürdige Aufnahmen, denen zwei Kerzenlichter ausreichen, um das Dunkel einer Dezembernacht von 1863 zu erhellen.

„Savage State“ wirbt für sich mit dem Slogan, ein „feministischer Western“ zu sein. Das mag vordergründig stimmen, unterschwellig aber ist der Abschlussfilm des Oldenburger Festivals viel mehr: Ein Beispiel dafür, dass ein Genre, das man längst für überlebt gehalten hat, immer wieder neu und frisch ist. Wenn Regisseur und Darsteller es nur wollen.

Klaus Fricke
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