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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Geschichte eines verlorenen Menschen

05.09.2018

Oldenburg „Der einzige Unterschied“, erklärt ein Gefängnisinsasse der JVA-Beamtin Sonja Brunner, „zwischen uns beiden ist, dass Sie abends nach Hause gehen und im eigenen Bett schlafen.“ Im Prinzip leben beide – die JVA-Beamten und die Verurteilten – hinter Gittern. Es ist wohl eine Sache des Gemüts, damit umzugehen, oder wie der Filmtitel des Regisseurs Thomas Stiller sagt: mit der „Angst in meinem Kopf“.

Der Fernsehfilm, der am 10. Oktober um 20.15 in der ARD läuft, ist bereits vorweg auf dem Filmfest in Oldenburg (12. bis 16. September) zu sehen – nicht zuletzt, weil Gerd Koop als Berater zur Seite stand, der ehemalige Direktor der Oldenburger JVA.

Der realistische Film stellt eine JVA-Beamtin ins Zen­trum, die in der Familie das Geld verdient – das scheint wenig genug zu sein, trotz wichtiger gesellschaftlicher Tätigkeit. Zu Hause wartet artig ihr Mann, ein erfolgloser Autor (Matthias Koeberlin) mit aufsässiger Stieftochter.

Bei einem Ausbruchsversuch wurde Sonja Brunner als Geisel genommen und traumatisiert. Sie wird in eine andere Haftanstalt versetzt, doch ausgerechnet dort landet auch einer ihrer Geiselnehmer (gern und gut der Bösewicht: Ralph Herforth). Und dann lässt sich die Beamtin auch noch auf dubiose Geschäfte mit Gefangenen ein – doch nichts geschieht im Gefängnis ohne Gegengeschäft.

Thomas Stiller (Regie und Buch) hat einen harten Film mit manch brutaler Szene gedreht, einen Film, der ganz vom Porträt eines verlorenen Menschen lebt. Claudia Michelsen spielt die hilflose JVA-Beamtin als schlichtes, bebendes, ängstliches Wesen. Die Beamtin gerät in einen Abwärtsstrudel, verstrickt sich immer mehr, bekommt Leben und Beruf nicht mehr in den Griff. Zudem zeigt der Film, wie Gewalt plötzlich ausbrechen kann und schwer zu beherrschen ist. Charly Hübner spielt in dieser bedrückenden Atmosphäre einen Serienkiller à la Hannibal Lecter, und ausgerechnet der wird mit Lottermähne und sonorer Stimme im Zellentrakt zu einer Art Freund der traumatisierten Sonja Brunner.

Dieser Fernsehfilm ist viel besser als so mancher „Tatort“ im Ersten. Und wir garantieren, dass es kein Happy End gibt. Etwas Seltenes im Einerlei des deutschen Fernsehfilms.


  www.filmfest-oldenburg.de 
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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