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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Das Spiel der Großwildjäger

13.09.2018

Oldenburg Veranstalter von Jagdreisen versprechen Abenteuer und Adrenalin pur. Tansania in Ostafrika gilt unter Großwildjägern als eines der berühmtesten Jagdgebiete der Welt. Die Jagd auf die Big Five (Löwe, Nashorn, Elefant, Leopard und Wasserbüffel) wird dort Big Game (großes Spiel) genannt.

Was sind das für Menschen, die dieses Spiel spielen, und wer sind die Verlierer? Antworten gibt der Dokumentarfilm „King of Beasts“ von Tomer Almagor und Nadav Harel, der seine Weltpremiere bei der Gala des Internationalen Filmfestes Oldenburg an diesem Samstag um 21 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters feiert.

Almagor und Harel begleiten den amerikanischen Geschäftsmann Aaron aus Colorado auf einer Großwildjagd in Lukwati im Westen Tansanias. Sie tun das auf eine beeindruckende Weise, indem sie ausschließlich die Akteure zu Wort kommen lassen, nichts kommentieren oder einordnen. Das ist schonungslos, zuweilen erschütternd und so spannend wie ein guter Thriller.

Aron glaubt fest an die Werte der USA. Donald Trump lässt grüßen. Und Aaron träumt davon, einen Löwen mit Pfeil und Bogen zu erlegen – wie früher ein Krieger. Kritik an der Großwildjagd lässt er nicht zu. „The Man rules the World“, lautet sein Credo. Als (weißer) Mann nimmt er das Recht in Anspruch zu tun, was er will. Und er ist der Überzeugung, mit seiner Jagd etwas Gutes zu tun, nämlich die Menschen im afrikanischen Busch vor den wilden Tieren – den Bestien – zu bewahren.

Der Film beginnt in Colorado im Westen der USA, wir sehen das Zuhause des Trophäensammlers, begleiten seine Schießübungen und die Vorbereitungen für die Reise und staunen über seine Ansichten. Die Lust an der Jagd lässt sich Aaron einiges kosten: 3000 bis 4000 Dollar für den Abschuss eines Büffels oder Flusspferdes, 10 000 Dollar für einen Löwen. Dazu kommen Kosten für den Flug, die Unterkunft, den Transfer ins Jagdgebiet und Transport der Trophäen nach Hause.

Im Jagdcamp werden Aaron und die anderen Jäger freudig empfangen. Man ist vorbereitet auf die gut betuchten Gäste, denen es an nichts fehlen soll. Ein junger Kellner ist allgegenwärtig, stumm und unterwürfig erfüllt er jeden Wunsch der Männer.

Die Jagdhelfer haben jede Menge zu tun. Buschfeuer werden gelegt für ein freies Schussfeld, Überwachungskameras angebracht und Köder in die Bäume gehängt, um einen Löwen aufzuspüren. Eine Büffelherde wird gesichtet, Aaron und sein Gefolge werden so nah wie möglich an die etwa 100 Tiere herangebracht. Ein Schuss in die Menge, ein Treffer. Was folgt, ist fast geschäftsmäßig. Während Aaron nach dem obligatorischen Foto pausiert, müssen die Jagdhelfer das Tier zerlegen und abtransportieren. Das ist Schwerstarbeit.

Großwildjäger wie Aaron sehen das so: Wenn sie nicht wären, hätten die Männer vor Ort keine Arbeit. Also weiter im Jagdprogramm: Im atemberaubend schönen Sonnenuntergang erlegt Aaron noch ein Flusspferd, bevor ihn die Nachricht von einem gesichteten Löwen erreicht. Angespannte Erregung macht sich breit. Die Jagdhelfer sind gefordert, Aaron in Position zu bringen. Zwei Pfeile braucht er, um das Tier zu erlegen.

Tief ergriffen lässt er sich von den Helfern und seinen Jagdkumpanen feiern. Es wird in die Luft geballert, getanzt und gesungen („We work together“). „Er hat einen guten Job gemacht“, lässt uns einer der Einheimischen wissen.

Das Ganze wird nur noch getoppt von einer bizarren Abschlussfeier im Camp, wo die koloniale Welt der Aarons dieser Erde noch in Ordnung ist.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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