Oldenburg - Es mag vielleicht nicht der gewöhnliche Theaterbesuch sein, möglicherweise muss man auch ein paar Schritte aus der eigenen Komfortzone hinausstiefeln oder eben ganz in diese Welt eintauchen – aber genau das ist das Ziel vom „flausen+ BANDEN!-Festival“.
Unter dem Motto „Stürmische Zeiten brauchen ein mutiges Theater“ hat sich das Oldenburgische Staatstheater mit Universitäten im Norden, anderen Theatern und zahlreichen lokalen, bundesweiten und internationalen Akteuren und Akteurinnen zusammengeschlossen und das „flausen+ BANDEN!-Festival“ als sogenannte „Allianz der performativen Künste“ entwickelt.
Alle Shows gehen über Grenzen, die man als Besucher aber auch überschreiten müsse, sagt Marc-Oliver Krampe, künstlerischer Festivalleiter und Chefdramaturg am Staatstheater.
Nachwuchs Bühne geben
2017 fand das Festival zum ersten Mal statt, nun eben mit dem „Plus“ an Flausen. Soll heißen: Das Festival unterstützt nicht nur freie Künstler – in dessen Rahmen soll sich auch besonders der Nachwuchs professionalisieren, so Felix Worpenberg vom Theater Wrede. Das Modell „Flausen+“ wurde 2011 vom Theater Wrede initiiert und vergibt unter anderem künstlerische Forschungs-Stipendien.
Zu sehen gibt es vom 14. bis 17. Mai Koproduktionen mit Flausen+, aber auch verschiedenste Gastspiele, darunter Markus&Markus, die sich in „Zwischen den Säulen“ auf sehr interessante Weise mit dem Islam auseinandersetzen. Im Anschluss an die Vorstellung gibt es Nachgespräch als Performance mit dem Theater der Versammlung.
She She Pop zeigen ihre Show Oratorium, in der sie die verschiedenen Besitzverhältnisse in den jeweiligen Städten thematisieren – hier natürlich Oldenburg. She She Pop möchte das Geheimnis des Eigentums lüften, zerrt es auf die Bühne. Dass die Bühne nicht immer die (Holz-)bretter der Welt bedeuten, zeigt das Rumpel Pumpel Theater mit dem Stück „Loli Jackson auf der Suche nach dem Sinn von Allem“. Rumpel Pumpel ist ein Straßentheater – gespielt wird auf der handbetriebenen Drehbühne und auf/in einem alten, umgebauten Marktwagen. Erstmalig konzipiert wurde es 2016 in Oldenburg.
Cora Frost überschreitet in ihrer aktuellen Show Geschlechtergrenzen und erzählt als ihr Alter Ego Peter Frost von sich und Männern, die die Welt ein wenig besser gemacht haben (Doppelabend mit The Vulva Kings).
Außerdem gezeigt wird das dokumentarische Theaterprojekt „Überleben“, der Werkgruppe2, welches sich mit den Klinikmorden in Oldenburg und Delmenhorst beschäftigt und erst vergangenes Wochenende Premiere am Staatstheater feierte.
Schlosshöfe als „Bühne“
Das Festival läuft von Donnerstag, 14. Mai, bis Sonntag, 17. Mai 2020. Tickets gibt es ab sofort an der Theaterkasse des Staatstheaters (dienstags bis freitags, 10–18 Uhr; Theaterwall 28) oder unter Tel.: 0441/2225111.
Das Rahmenprogramm umfasst zahlreiche, überwiegend kostenfreie Veranstaltungen. Um die Vorstellungen herum gibt es Orte der Kunst, Kultur, Reflexion, des Ausprobierens und Verweilens. Darunter die Begegnungszone, Foodtrucks, das Fahrradschiff, Workshops, Konzerte, künstlerische Installationen oder eine Abschlussparty.
Kooperationspartner sind das Oldenburgische Staatstheater, deBühne (Theaterhaus Hildesheim), Theater der Versammlung (Bremen), die Unis Bremen, Oldenburg und Hildesheim, das Staatstheater Nürnberg, Edith-Russ-Haus für Medienkunst (Oldenburg), Ballhaus Ost (Berlin), Landesverband Freier Theater Niedersachsen und das Forum St. Peter (Oldenburg).
Spielorte sind sowohl das Staatstheater als auch das Edith-Russ-Haus, das Theater Wrede, die Exerzierhalle oder die Kulturhalle am Pferdemarkt. Sogar in den Schlosshöfen wird eine Performance-Gruppe Vorstellungen geben – wird dort etwa eine Bühne aufgebaut? „Die Gruppe Mobile Albania hat ein Angebot entwickelt, bei dem sie keine große Bühne braucht“, verrät Marc-Oliver Krampe. Vielmehr bringe die Gruppe Menschen, die sich nicht kennen, auf sehr emotionale und poetische Art zusammen.
„Wir sind gewachsen, aber nicht seriöser geworden“, sagt Marc-Oliver Krampe verschmitzt mit einem Augenzwinkern. Das Festival solle nicht nur eine Generation oder Zielgruppe ansprechen, sondern Menschen als Publikum vereinen, die sich sonst so im Alltag vermutlich nicht über den Weg gelaufen wären. Außerdem den Freiraum geben, die freie Künstlerszene zu entdecken, zum Diskutieren, Austauschen und Nachdenken anregen.
