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Fotografie: So sieht der Alltag in Afrika aus

08.02.2020

Oldenburg Auch in seinen kühnsten Träumen hat sich Claus Spitzer-Ewersmann, Geschäftsführer der Oldenburger Agentur Mediavanti, das wohl nicht vorstellen können, als er die Ausstellung „World Press Photo“ 2016 zum ersten Mal nach Oldenburg holte: Die Schau mit den weltbesten Pressefotos vermeldet seitdem Jahr für Jahr neue Besucherrekorde. 19 000 Besucher waren es 2019. Andererseits ist der Medien-Profi aber auch nicht überrascht: „Zum Erfolgsrezept gehört das Drumherum.“

Vielfalt des Kontinents

Dieses Drumherum wird bei der fünften Ausstellung der weltbesten Pressefotos aus dem Jahr 2019 vom 15. Februar bis 8. März im Oldenburger Schloss eine besondere Rolle spielen, schließlich handelt es sich um ein kleines Jubiläum. Neu ist die Sonderschau „Everyday Africa“, die parallel zur „World Press Photo“ gezeigt wird – zum ersten Mal überhaupt in Europa. „Bei Afrika denken wir zuerst an Kriege, Katastrophen und Krankheiten“, sagt Spitzer-Ewersmann, „wir wollen den Blick auf den Alltag in Afrika lenken, der genauso ist wie in Europa oder in den USA.“

Wie das Leben manchmal so spielt, hatte er per Zufall in einem Fachmagazin über das Projekt des Fotografen Peter DiCampo und des Schriftstellers Austin Merrill gelesen. Die beiden US-Amerikaner sollten 2012 über die Folgen des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste berichten. Doch damit gaben sie sich nicht zufrieden und rückten das normale Alltagsleben in dem westafrikanischen Land in den Mittelpunkt.

Merrill und DiCampo veröffentlichten die Fotos zunächst auf der Social-Media-Plattform Tumblr, später wechselten sie zu Instagram. Unter dem Hashtag #everydayafrica nahm das Projekt Fahrt auf, immer mehr afrikanische Fotografen steuerten Bilder bei: Menschen bei der Arbeit, beim Sport, beim Essen, im Gespräch, auf der Straße. Rund 30 000 Bilder sind mittlerweile unter dem Hashtag versammelt, der etwa 400 000 Follower hat.

Der Oldenburger war von dem Projekt sofort fasziniert und nahm Kontakt zu Peter DiCampo auf. Bei ihm rannte Spitzer-Ewersmann mit seiner Idee, eine Auswahl der Bilder aus Afrika in Oldenburg zu zeigen, offene Türen ein. Der Fotograf, der mittlerweile in Kenias Hauptstadt Nairobi lebt und arbeitet, übernahm die Aufgabe, 50 Bilder von 34 Fotografen aus 25 Ländern auszuwählen, die im Schloss im Format 50 mal 50 Zentimeter zu sehen sind. Unterstützung gab es auch von der World Press Photo-Stiftung in Amsterdam. Sie gab ohne Vorbehalte ihr Okay, „Every-day in Africa“ parallel zu ihrer Ausstellung im Schloss zu zeigen.

„In Nairobi ist die Freude groß“, weiß Lisa Knoll, die bei Mediavanti die Wanderausstellung betreut und in engem Kontakt mit DiCampo steht. Die Bilder spiegelten die große Vielfalt des Kontinents wider und seien ein schöner Ausgleich zu den eher bedrückenden Bildern von „World Press Photo“. Die „bunte Mischung“ werde auch bei der Hängung der Bilder berücksichtigt. „Wir haben keine zehn Zentimeter übrig. 50 Bilder passen perfekt“, freut sich Lisa Knoll.

Schüler führen Schüler

Seit der ersten Ausstellung gehört auch ein Programm für Schulklassen zum Angebot, das Schülerinnen und Schülern die gezeigten Pressebilder nahebringen soll und jedes Jahr gut nachgefragt wird. In diesem Jahr gibt es ein weiteres Angebot für Schulklassen. 20 Schüler der IGS Kreyenbrück haben in einer Arbeitsgemeinschaft gemeinsam mit einer Kunstvermittlerin eine Sonderführung erarbeitet, die sie selbst leiten werden. Das Projekt „Schüler führen Schüler“ kommt augenscheinlich gut an. „Vier Wochen vor Ausstellungsbeginn ist fast die Hälfte der Termine bereits ausgebucht“, weiß Lisa Knoll.

Das Oldenburger Ausstellungskonzept mit dem besonderen Drumherum hat sich auch anderswo herumgesprochen. Im vergangenen Jahr gab Mediavanti Starthilfe in Balingen in der Schwäbischen Alb, in diesem Jahr ist die Agentur in Hannover gefragt, die Schau „World Press Photo“ zusammen mit „Everyday Africa“ im Kulturzentrum Faust im Stadtteil Linden zu organisieren. „Das wird spannend“, freut sich Spitzer-Ewersmann auf die neue Herausforderung.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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