OLDENBURG - Eine Dorfkneipe irgendwo auf dem weiten platten Land: Es herrscht die pure Langeweile. Damit ist es allerdings schlagartig vorbei, als ein Fremder auftaucht.
Der „staatsche Keerl“ weckt vielerlei Sehnsüchte. So beginnt die Tragikomödie „En Held in’n Dörpskroog“, mit der das Oldenburgische Staatstheater und die August-Hinrichs-Bühne am Sonnabend im Kleinen Haus eine erfolgreiche Premiere feierten.
Das 1907 uraufgeführte Stück des irischen Nationaldichters John Millington Synge, von Hartmut Cyriaks und Peter Nissen ins Niederdeutsche übertragen, hat der leitende Regisseur der niederdeutschen Sparte Michael Uhl als Nordwestern in Szene gesetzt – originell, konsequent, zuweilen absurd und durchgehend höchst amüsant.
Die ländlichen Charaktere sind samt und sonders maßgeschneidert besetzt.
Mann mit Courage
Der Fremde im Dorf ist Christoph Martens (Cay Hendryk Meyer überzeugt mit großer Spielfreude und als furchtloser Stuntman).
Im Glauben, seinen Vater mit dem Spaten erschlagen zu haben, sucht er Unterschlupf in der Dorfkneipe beim Wirt Michael Fehling (Volker Griem setzt mit den niederdeutschen Urgesteinen Jürgen Müller und Gerd Jansen die derb-humorigen Akzente) und seiner Tochter Greten (Elske Burkert hat – herb-charmant – die Hosen an).
Greten ist hin und weg: Endlich steht ein Mann mit Courage vor ihr, kein Vergleich zum Verlobten Jan Hoopmann (Lars Möller überzeugt als frömmelnder, schüchterner Schlappschwanz).
Als Held gefeiert
Das ganze Dorf ist angetan: Endlich passiert mal was. Christoph Martens wird als Held gefeiert, der sich was traut. Die Anerkennung der Männer, die Bewunderung durch die Dorfmädchen Sanna, Hanna und Anna (Juliana Maack, Julia Korfe und Maura Kristin Oehme agieren herrlich unbeschwert als „dusselige Höhners“) und die Schmeicheleien der mannstollen Witwe Quinn (Melanie Neumann spielt wunderbar frivol und durchtrieben) stärken sein Selbstbewusstsein.
Christoph findet Gefallen am Heldendasein, aber damit ist es schlagartig vorbei, als der totgeglaubte Vater (Herwig Dust ist als hasserfüllter Poltergeist eine Nummer für sich) auftaucht.
Grandiose Prügelei
Es kommt zu einer grandiosen Prügelei, bei der sich alle in die Haare kriegen, der Held einen Abgang durchs Fenster macht und der alte Martens erneut einen Schlag über den Schädel bekommt.
Das Dorf ist mit seinem Urteil schnell bei der Hand: Der Mörder soll hängen. Aber Christoph Martens entkommt der dörflichen Selbstjustiz. Er ist zum Mann gereift und bekennt: „Ik heff eenmol lagen und Ji hebbt mi to’n groten Mann maakt“ („Ich habe einmal gelogen, und ihr habt mich zu einem großen Mann gemacht“).
Karten: 0441/22 25 111
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